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Diese NFL-Saison noch immer ungeschlagen: Was die Pittsburgh Steelers so stark macht und warum die erste Super Bowl-Teilnahme seit 10 Jahren warten könnte

November 11, 2020November 13th, 2020

Was die Pittsburgh Steelers in der bisherigen NFL-Saison veranstalten, ist wahrlich einzigartig: Nicht nur weil sie das einzige Team sind, das noch ungeschlagen ist. Doch was macht den sechsfachen Super Bowl-Sieger so stark?

Headcoach Mike Tomlin versuchte die Leistung nach dem jüngsten Sieg gegen die Dallas Cowboys, mit Hinblick auf andere Teams, die dieses Kunststück vollbringen konnten, einzuordnen: „Wir sind demütig und fühlen uns geehrt.“ Doch am Sonntag sah es im AT&T Stadium von Arlington lange so aus, als ob die heuer schwer gebeutelten Cowboys mit ihrem 29-jährigen Quarterback-Debütanten Garrett Gilbert für eine Sensation sorgen würden. Die Defense der Texaner stand gut und stellte die Gäste aus Pittsburgh vor große Probleme. Nach drei Vierteln führte Dallas mit 19:15 und stand zu Beginn des vierten Abschnitts erneut vor der Endzone Pittsburghs. Doch Gilbert unterlief unter Druck eine Interception, die den Gästen ermöglichte, das Ruder herumzureißen. Nach einem Field-Goal von Chris Boswell, der davor mit einem erfolgreichen Kick aus 59 Yards einen Vereinsrekord aufgestellt hatte, sorgte Ben Roethlisberger trotz Knieblessur mit einem Touchdown-Pass auf Eric Ebron für den historischen Sieg.

 

Roethlisberger und Pittsburgh – eine Liebe, die nie endet?

Ben Roethlisberger – zwischen Namen wie Tom Brady, Drew Brees oder Aaron Rodgers geht seiner beinahe unter. Doch der Steelers-Quarterback mit Schweizer Wurzeln ist zweimaliger Super Bowl-Champion und hält etliche Franchise-Rekorde in Pittsburgh – darunter den für das beste Sieg-Niederlagen-Verhältnis, die meisten Touchdown-Pässe in einer Saison (32) und die meisten Passing-Yards in einem Spiel (522). „Big Ben“ erlangte spätestens bei seinem zweiten Super-Bowl-Gewinn im Februar 2006 Legendenstatus, als er sein Team mit einem Touchdown-Pass Sekunden vor Spielende zum Sieg führte – obwohl er die ganze Partie mit zwei gebrochenen Rippen spielte. Mittlerweile ist die Nummer sieben der Steelers 38 Jahre alt, doch nun setzt er mit seiner „großen Liebe“ in seinem dritten Frühling nochmals zum Höhenflug an.

Seine Stärken sind die gleichen wie eh und je: Mit 1,96 Metern ist er einer der größten Quarterbacks aller Zeiten und weiß dies in Kombination mit seiner stämmigen Figur auch auszuspielen. Auch wenn einige namhafte Receiver die Steelers verließen, mit seiner Erfahrung kann er den jungen einiges beibringen, zudem kann er immer noch zielgenau auf jede Länge Pässe an den Mann bringen, auch wenn seine Statistiken das nicht immer zeigen. Großes Fragezeichen bleibt seine Fitness und – wie sich nach dem Cowboys-Spiel herausstellte – auch COVID-19. Der Quarterback soll sich in Quarantäne befinden, sollte er positiv getestet werden, wäre das ein herber Rückschlag für sein Team.

 

„Offense wins games, defense wins championships!“

Mit Ausfällen haben die Steelers ohnehin zu kämpfen – auf beiden Seiten des Balles. Nichtsdestotrotz weiß vor allem die Offense, mit und abseits von Roethlisberger, zu überzeugen. Anders als in den letzten Saisons haben die Steelers bei Receiver, Tight Ends und Running Backs eine beachtliche Tiefe. Neben Smith-Schuster sind in der Offensive von Pittsburgh auch Claypool und die Receiver-Kollegen Johnson und James Washington zu sehen, die in dieser Saison einige entscheidende Pässe fangen konnten. Ein weiterer Spieler, der erwähnt werden muss, ist Ray-Ray McCloud, ein ehemaliger Sixth-Round-Pick. McCloud spielt mehr und mehr eine wichtigere Rolle – als Wide Receiver aber auch als Returner. Natürlich muss man auch den Einser-Runningback James Conner erwähnen – insgesamt erlief der 25-Jährige in dieser Saison bereits 520 Yards und erzielte fünf Touchdowns. Mit Eric Elbon, verpflichteter Free Agent, und Benny Snell Jr. ist man zusätzlich flexibel.

Trotz der starken Offense gilt immer noch der Leitspruch „Offense wins games, defense wins championships“. Der „Steel Curtain“, die Erfolgs-Formation aus den 70er Jahren, als die Steelers vier Super Bowls gewannen, ist quasi zurück. Vor allem die Passverteidigung ist bei Pittsburgh herausragend. Elf Interceptions und 32 Sacks stehen bei den Steelers zu Buche. Permanent kann der gegnerische Quarterback unter Druck gesetzt werden, in der Blitzstatistik ist man Ligaspitze. Da der Druck auf den Spielmacher so hoch ist, haben Cornerbacks und Safetys, die zumeist tief stehen, mehr Zeit, um Routen oder Pässe zu antizipieren. Eines steht wohl fest: die Serie wird früher oder später reißen. Verletzungen vermehren sich und der mögliche Ausfall von Roethlisberger wäre nicht zu verkraften. Auch in der derzeitigen Form wird die Teilnahme am Super Bowl schwer. Nichtsdestotrotz sind dies die besten Steelers seit Jahren, die vom großen Coup träumen dürfen.