American SportsNFL

NFL: Mit den Kansas City Chiefs und den Green Bay Packers steigen die Favoriten in die Playoffs ein – aber wer spielt gegen wen und wer hat die besten Chancen?

Januar 15, 2021

Weiter geht es in den Playoffs der NFL. Vergangenes Wochenende gab es in der Wild Card kaum Überraschungen, einzig die Cleveland Browns konnten mit den Steelers den Favoriten aus dem Bewerb werfen. In der Divisional Round – quasi das Viertelfinale – kommen auch die Chiefs sowie die Packers nach ihrer Bye-Week wieder aufs Feld. Doch wer spielt gegen wen und wer hat die besten Chancen?

Los Angeles Rams vs. Green Bay Packers (Samstag, 22:35 MEZ)

Los geht es in Green Bay, wo die Packers am Samstagabend auf die LA Rams treffen. Sieht man sich die Quarterbacks in diesem Duell an, könnte es ungleicher kaum sein. Auf der einen Seite steht Aaron Rodgers, der die Packers in Überform zum besten Team der NFC machte und zurecht als MVP gehandelt wird. Auf der anderen Seite steht…ja wer eigentlich? Denn eines offenbarte der Sieg in der Wild-Card-Round über die Seattle Seahawks: Die Rams haben keinen fitten Starting-Quarterback. John Wolford, der eigentliche Ersatzmann, der gegen die Seahawks noch zu Beginn am Feld stand, verletzte sich während der Partie und fällt wohl aus. Jared Goff, der Starting-Quarterback, sprang ein – und dass, obwohl er sich vor drei Wochen den Daumen seiner Wurfhand gebrochen hatte. Nichtsdestotrotz machte Goff ein gutes Spiel. Für die Rams ein zusätzliches Problem ist, dass die Defensiv-Übermacht in Person von Aaron Donald aufgrund angeknackster Rippen fraglich ist.

Ein Vorteil für die Rams könnte Coach Sean McVay sein, dieser kennt die Green Bay Offensive in- und auswendig. Packers-Coach Matt Lafleur war 2017 McVays Offensive-Coordinator und sie waren gemeinsam für Washington tätig. Im Endeffekt bleiben allerdings die Packers der große Favorit. Sie sind wohl das kompletteste Team momentan, nicht nur aufgrund von Aaron Rodgers, sondern auch wegen der Defensive, die sich im Laufe der Regular Season steigern konnte. Neben Rodgers überzeugen in der Offense vor allem auch die Running Backs A.J. Dillon und Aaron Jones.

Tampa Bay Buccaneers vs. New Orleans Saints

Tom Brady vs. Drew Brees – das Oldies-Duell findet am Sonntag in New Orleans statt. Tatsächlich findet dieses Duell erst das erste Mal in den Playoffs statt. Immerhin ist Brady seit 2000 in der NFL und Brees seit 2001, trotzdem stand man sich nie in der Postseason gegenüber. Die beiden Quarterbacks gehören zu den erfolgreichsten aller Zeiten. Brady führt bei den All-Time-Touchdown-Pässen mit 581 und verdrängt derzeit Brees mit 571 auf Rang zwei. Was die Completions betrifft, also angekommene Pässe, liegt Brees mit 7142 klar vor Brady (6778). In puncto Erfolg ist Brady weit Voraus – nicht nur hat er mit sechs SuperBowl-Ringen mehr als jeder andere, Brady hält auch nicht weniger als 27 Playoff-Rekorde: So besiegte „TB12“ bereits 17 verschiedene Teams in der Postseason – kein anderer Quarterback hat überhaupt so viele Playoff-Spiele gewonnen.

Das erste Aufeinandertreffen zwischen den Bucs und den Saints im Jahr 2020 fand schon in Woche 1 statt, als die Saints dank eines Pick-Six von Brady einen großen Vorsprung herausspielten und schlussendlich mit 34:23 siegten. Im zweiten Aufeinandertreffen in Woche 9 deklassierte New Orleans die Bucs von Anfang an, indem sie drei Interceptions gegen „The Goat“ fingen und Brees vier Touchdowns warf – machte summa summarum 38:3. Die Vorzeichen sehen nicht gut aus für Brady und seine Bucs, doch er hat schon öfter bewiesen, dass er da ist, wenn niemand mehr mit ihm rechnet.

Wenn in der Nacht von Sonntag auf Montag die Tampa Bay Buccaneers bei den New Orleans Saints antreten, steht das Duell der beiden Ausnahmeathleten über allem – daran besteht kein Zweifel. Zumal es für Brees trotz eines für die Saison 2021 gültigen Vertrags auch das letzte Karrierespiel sein könnte. Brady und die „Bucs“ werden schon deshalb besonders motiviert sein, weil der Super Bowl LV drei Wochen später im heimischen Raymond James Stadium steigen wird. Es wäre das erste Mal in der Super-Bowl-Ära, dass ein Team im größten aller Spiele zu Hause antreten würde.

Cleveland Browns vs. Kansas City Chiefs (Sonntag, 21:05)

Wie die Packers steigen auch die Chiefs am Wochenende in die Playoffs ein. Zu Besuch bei den Chiefs in Missouri ist das Überraschungsteam der Wild-Card-Round – die Cleveland Browns. Die Browns, die als sechstplatziertes Team der AFC in die Postseason gehen, zogen am Sonntagabend mit einem 48:37 Auswärtssieg über die Pittsburgh Steelers in die nächste Runde ein. Das letzte Mal, dass Cleveland ein Playoff-Spiel auswärts gewonnen hat, war in der Saison 1969. Das letzte Mal, dass sie ein Playoff-Spiel gewannen, war 1994, als ein junger Mann namens Bill Belichick, bekanntlich seit Jahrzehnten Mastermind in New England, ihr Head Coach war – und in Austin, Texas, erwarteten James und Gina Mayfield ihr zweites Kind: einen Jungen, den sie Baker nennen würden. Das letzte Mal, dass die Browns überhaupt in den Playoffs waren, war 2002. Da war der kleine Baker sieben Jahre alt. Und heute? Heute ist Baker Mayfield 26 Jahre alt und führte die Browns endlich wieder in die Playoffs und gewann sogar wieder ein Spiel in der Postseason.

Doch diese schöne Geschichte wird mit ziemlicher Sicherheit ein jähes Ende finden. Auch wenn das Team aus Cleveland den Chiefs Probleme bereiten kann – sie haben eine starke Offensive Line, sind mit zwei sehr guten Running Backs gefährlich bei Run-Plays und im Bereich Play-Action-Plays hat sich Baker Mayfield enorm gesteigert – werden sie nur einen Hauch einer Chance haben. Der Mann, der die Träume zerstören wird, ist Patrick Mahomes. Der absolute Superstar der NFL und letztjährige SuperBowl-MVP ist in absoluter Topform, aber die gesamte Offense präsentiert sich großartig. Sollte die Defensive einen halbwegs guten Job machen, ist der Aufstieg in die Conference Finals reine Formsache.

Baltimore Ravens vs. Buffalo Bills

Die beiden besten Spieler des Drafts von 2018 treffen im Duell Ravens gegen Bills aufeinander – Lamar Jackson und Josh Allen. In diesem Jahr konnte vor allem Allen mit den Bills aufzeigen. Der 24-Jährige hat in seiner dritten Saison einen enormen Sprung gemacht, ist in dieser Spielzeit zum drittbesten Quarterback der NFL aufgestiegen und führte die Bills in der Wild-Card-Round gegen die Colts zum ersten Playoff-Sieg seit 1995. Sein Gegenüber Jackson wurde in der vergangenen Saison einstimmig zum NFL-MVP gewählt und zeigte sich beim 20:13-Playoff-Sieg gegen die Titans, der knapper ausfiel, als es das Ergebnis vermuten lässt, von seiner besten Seite. Der große Unterschied zwischen den beiden Teams, die Samstagnacht gegeneinander antreten, ist der Stil im Offensivspiel. Die Ravens forcieren das Laufspiel, nicht nur aufgrund starker Running Backs, sondern weil Quarterback Lamar Jackson selbst gerne mal mit dem Ei unter dem Arm Yards erzielt. Dies könnte für die Bills zum echten Problem werden, denn Jonathan Taylor von den Colts zeigte schon in der letzten Runde was mit Runs gegen Buffalo möglich ist.

Aber auch für die Defense der Ravens wird es kein Spaziergang werden. Allen und die Bills erzielten in den letzten fünf Spielen durchschnittlich 40,4 Punkte, und obwohl die Offensive hinter ihren gewohnten Resultaten zurückblieb, konnten sie zeigen, dass mit ihnen absolut zu rechnen ist. Neben Allen zeigt vor allem Stefon Diggs auf, der Wide Receiver führte diese Saison die NFL mit Receptions und Receiving Yards an – insgesamt 127 Receptions und 1.535 Receiving Yards stehen auf seinem Konto. Die Bills gelten gegen die Ravens als leichter Favorit, allerdings kann in den Playoffs alles passieren. Um erfolgreich zu sein, müssen sie eine Lösung gegen das Laufspiel der Ravens finden. Gelingt das, sind die Chancen gut, in die Conference Finals einzuziehen.