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Zwischen Spiel und Spektakel: Was den SuperBowl ausmacht und warum auf Tom Brady und Patrick Mahomes ein enges Match wartet

Februar 5, 2021

Am Sonntag wartet das größte Einzelsportereignis der Welt – der Super Bowl. In Tampa treffen dabei die wohl besten Quarterbacks der Gegenwart aufeinander – Patrick Mahomes auf Seiten der Kansas City Chiefs und Tom Brady mit den Tampa Bay Buccaneers. Auch trotz Corona wird es ein großes Spektakel, The Weeknd ist der Showact des Events und vom Spiel selbst darf ebenso einiges erwartet werden.

Es ist das Finale der NFL – nach 17 Runden der Regular Season und mehreren Wochen Playoffs gipfelt die Liga nun im alles entscheidenden Super Bowl. Es ist ein Tag, der in Amerika wie ein Feiertag angesehen wird, nicht umsonst ist der Montag nach dem Megaevent, der Tag, an dem es die meisten Krankmeldungen des ganzen Jahres gibt. Familien, Freunde werden zu großen Fans, nicht immer nur von den Teams – auch die Werbe-Spots, die extra für diesen Tag produziert werden und pro 30 Sekunden Sendezeit etwa 5,5 Millionen Dollar kosten, die Events rund um das Spektakel sowie das Fast-Food das traditionell zum Klassiker serviert wird, erfreuen sich großer Beliebtheit. Letztes Jahr verfolgten 98 Millionen Menschen allein in den USA den Super Bowl. Am kommenden Sonntag stehen sich im Raymond James Stadium in Tampa die Tampa Bay Buccaneers und die Kansas City Chiefs gegenüber. Es dürfte aufgrund der Pandemie doch etwas anders werden, als es die Fans gewohnt sind.

Spiel der Rekorde

Im Vergleich zu europäischen Sportevents dürfen zumindest ein Teil der Plätze belegt werden – 22.000 Zuschauer werden bei einer Kapazität von eigentlich 75.000 live mit dabei sein. 7.500 Eintrittskarten gehen übrigens an Mitarbeiter aus dem Gesundheitsbereich, die von der NFL als Dank für ihren Einsatz während der Pandemie ein Gratis-Ticket bekommen. Sie kommen überwiegend aus Tampa und dem Umland und werden alle bereits die zweite Dosis der Corona-Impfung erhalten haben. Die legendäre Halbzeitshow, die als inoffizielle Krönung von Musikerinnen und Musikern gilt, darf diesmal Sänger The Weeknd übernehmen. Viele Weltstars wie Michael Jackson, Bruce Springsteen, The Rolling Stones, Beyonce, Lady Gaga und viele mehr sorgten in der Vergangenheit für Stimmung.

Zwei Premieren gibt es am Sonntag – erstmals nimmt ein Team im eigenen Stadion am Super Bowl teil, die Buccaneers könnten somit auch das erste Team sein, dass zuhause die begehrte Vince-Lombardi-Trophy gewinnt. Eine weitere Premiere findet sich am Spielfeldrand – mit Sarah Thomas kommt zum ersten Mal eine Schiedsrichterin beim Super Bowl zum Einsatz.

Was das Spielgeschehen betrifft, sind sich die Buchmacher einig – die Gastgeber aus Tampa sind der klare Außenseiter. Zu stark performte der Titelverteidiger aus Kansas City dieses Jahr. Was das Duell aber so brisant macht, ist das Match-Up der Quarterbacks: Der junge aufstrebende Star und letztjährige Super-Bowl-MVP Patrick Mahomes gegen den ewigen Champion und lebende Legende Tom Brady. Die beiden könnten ihre eigenen Geschichten weiterschreiben und Rekorde aufstellen – Mahomes wäre der jüngste Spieler, der mehr als einen Super Bowl gewinnen kann, Brady wäre der erste Spieler mit sieben Super-Bowl-Siegen.

Was für einen Sieg der Kansas City Chiefs spricht

Die Chiefs Offense funktioniert wie ein Uhrwerk, sie können bei jedem Drive punkten und tun dies zumeist auch. Solange Mahomes fit ist und Headcoach Andy Reid an der Seitenlinie die Richtung vorgibt, sind sie unberechenbar. Und sie können ihre Drives in wenigen Sekunden durchziehen oder mit einem Angriff zehn Minuten von der Uhr nehmen – Zeitmanagement ist aber nur eine Stärke von den Chiefs.

Das letzte Duell der beiden Teams ging klar an Kansas City – nach einer 17:0-Führung nahmen sich Mahomes und Co zurück. Das Spiel ging 27:24 aus, wesentlich knapper, als der Spielverlauf tatsächlich war. Mann des Tages war Wide Receiver Tyreek Hill, der in einer unfassbar guten Form ist. Als das erste Viertel zu Ende war, hatte der „Cheetah“ bereits unfassbare 203 Receiving Yards und zwei Touchdowns vorzuweisen. Der Passempfänger gilt als einer der schnellsten NFL-Spieler aller Zeiten. Bei der Leichtathletik-WM der Junioren gewann Hill 2012 Gold mit der US-amerikanischen 4×100-Meter-Staffel und holte zudem Bronze im Einzelfinale über 200 Meter.

Einer der mit der Form Hills definitiv mithalten kann, ist Travis Kelce. Der Tight End verbuchte in der Regular Season die zweitmeisten Receiving-Yards aller Spieler, mit 1.643 Yards stellte er zudem einen Rekord für die meisten Yards eines Tight Ends in einer einzelnen Saison auf. Der vorherige Rekordhalter war kein geringer als sein Gegenüber in den Reihen der Bucs – Rob Gronkowski. In den Playoffs hält Kelce zudem bei den meisten Receptions sowie den meisten Touchdowns.

Doch auch die Defense muss sich keinesfalls verstecken. Wie heißt es so schön: „Offense wins games, defense wins championships!“ Die Chiefs haben mit Chris Jones und Tyrann Mathieu zwei Akteure, die jeder Offense Kopfzerbrechen bereiten können. Gerade im AFC-Championship-Game gegen die Buffalo Bills zeigten sie, wie schnell sie den Quarterback des Gegners unter Druck setzen können. Und gerade Tom Brady reagiert wie allergisch darauf, wenn ihm die Zeit in der Pocket fehlt.

Was für einen Sieg der Tampa Bay Buccaneers spricht

Wenn man an die Chancen der Bucs denkt, überragt ein Name natürlich alles: Tom Brady. Wer, wenn nicht er, kann den Außenseiter zum Titel führen? The „GOAT“ hat mehr Super-Bowl-Titel feiern können als manche Teams Playoff-Siege. Es ist bereits seine zehnte Teilnahme, sechsmal ging er schon als Sieger vom Platz. Mehrmals in seiner Karriere konnte Brady zeigen, dass er für die Playoffs einfach geschaffen ist, man darf ihn nie unterschätzen oder abschreiben. Etwa wie beim Triumph 2017 – mit den Patriots lag Brady bis zum Beginn des letzten Viertels 28:9 zurück, ein Three-Score-Game, beinahe unmöglich zu drehen. Nicht für Brady, er glich mithilfe seiner Offense die Partie kurz vor Schluss noch aus. In der Overtime gelang der endgültige Turn-Around. Es war wohl der spannendste und spektakulärste Fight der jüngeren Super-Bowl-Geschichte.

Doch einen Super Bowl gewinnt man nicht als Einzelkämpfer. Dass Brady Unterstützung hat, dafür haben die Buccaneers aber gesorgt. Ein Blick auf das Waffenarsenal von Tampa Bay zeigt, was für Kaliber für Punkte sorgen können, von Mike Evans über Chris Godwin und Antonio Brown bis hin zu Leonard Fournette, um nur einige zu nennen. Ein Mann für große Momente ist natürlich auch Bradys Kumpel Rob Gronkowski.

Die Defense befindet sich in Topform, der Sieg gegen die Packers im NFC-Championship-Game ging zum Großteil auf ihr Konto. Ein Vorteil ist auch die Verletzung von Eric Fisher, dem Left Tackle der Chiefs, sein Ersatzmann könnte die nötige Schwachstelle für den Pass Rush sein. Nur wenn es die Bucs schaffen, Mahomes schnell unter Druck zu setzen, können sie ihn stoppen.

Ein wichtiger Faktor für den Underdog könnte der Heimspielbonus sein. Diesem sollte man allerdings nicht zu viel Bedeutung beimessen, aber er sollte nicht außer Acht gelassen werden. Noch nie hat ein Team einen Super Bowl auf seinem eigenen Rasen gespielt. Die Bucs werden aus ihrem Lockerroom kommen, ihre Seitenlinie beziehen und dann ihr Feld verteidigen. Die Chiefs hingegen reisen erst einen Tag vor dem Spiel an, müssen sich akklimatisieren, durch die Pandemie ist alles etwas komplizierter geworden. Zudem könnte ein kleiner Vorteil sein, dass Defensive Coordinator Todd Bowles, ein ehemaliger Mitarbeiter von Andy Reid ist und somit zumindest ein wenig mit den offensiven Finessen von Kansas City vertraut sein sollte.

Wer gewinnt?

Es dürfte eine knappe Angelegenheit werden. Brady ist ein Faktor, den man berücksichtigen muss, dennoch werden sich die Chiefs durchsetzen. So souverän agierten Mahomes und Co seit dem letztjährigen Super-Bowl-Gewinn. Tampa spielte starke Playoffs, aber die Chiefs sind nicht mit den bisherigen Kalibern wie den Saints oder den Packers zu vergleichen. Kansas City ist nochmal klar darüber zu stellen.