Bundesliga

Nordderby: Werder im Vorteil gegen den Hamburger SV

September 18, 2021

Das traditionsgeladene Nordderby wird mittlerweile in der 2. Bundesliga ausgetragen. Beim Duell zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV geht es weiterhin um die Vorherrschaft im Norden Deutschlands, aber natürlich auch um drei Punkte im Aufstiegsrennen. Die Bremer gehen als Favoriten in die Begegnung am Samstagabend.

Kollektives Aufatmen war kürzlich in Bremen zu vernehmen, als der SV Werder mit einem 3:0 gegen den FC Ingolstadt den zweiten Sieg in Folge einfuhr. Die ersten Wochen in der 2. Bundesliga verliefen für die Grün-Weißen alles andere als erhofft, aber mittlerweile scheint die Mannschaft von Markus Anfang ihren Groove gefunden zu haben. Insbesondere in der Offensive wirken die Bremer gefährlicher als die große Mehrheit der anderen Zweitligisten.

Anfang, der nach dem Abstieg im Sommer das Traineramt übernahm, lässt in einer 4-1-4-1-Formation spielen und setzt dabei auf die Ballbesitzstärke seiner Zentrumsspieler. Allen voran Niklas Schmidt hat sich als Passgeber und Vorbereiter in den Vordergrund gespielt. Der einstige Spielmacher der U19-Nationalmannschaft wurde in den vergangenen Jahren an andere Clubs verliehen. Nun in der 2. Bundesliga schlägt – auch nach dem Abgang von Maxi Eggestein und Kevin Möhwald – seine große Stunde. Über Schmidt sowie den variabel einsetzbaren Romano Schmid laufen viele der Angriffe der Bremer, welche mehr als jeder andere Zweitligist Wege durch die Schnittstellen der Gegner finden.

Ballbesitz wird anders genutzt

Was das Nordderby gegen den HSV am Samstagabend so spannend machen wird, ist das Aufeinandertreffen zweier Fußballphilosophien, die sich ähneln und doch auf ihre Weise unterscheiden. Damit ist konkret der taktische Ansatz bei eigenem Ballbesitz gemeint: Die Hamburger haben im Durchschnitt den mit Abstand höchsten Ballbesitzanteil aller Zweitligisten, nutzen allerdings die vielen und teils langen Ballbesitzphasen noch nicht effektiv aus. Deshalb konnte der HSV erst zwei seiner sechs Ligaspiele gewinnen.

Cheftrainer Tim Walter, der wie Anfang im Sommer das Amt beim Traditionsclub aus dem hohen Norden übernahm, möchte mit Ballsicherheit und Geduld die Gegner nach und nach auseinanderspielen. Ähnlich wie bei Werder läuft die Kugel über passstarke Akteure – im Fall des HSV sind das beispielsweise Jonas Meffert und David Kinsombi. Allerdings gehen die Hamburger meist den Weg über die Flügel, statt es mit Schnittstellenpässen im Zentrum zu versuchen. Sie sind deshalb mehr als Werder auf die Dribbelstärke der Außenverteidiger und Außenstürmer angewiesen. Einige Teams in der 2. Bundesliga können diese Flügelangriffe mit kompakten Defensivketten bis zu einem gewissen Grad verteidigen und deshalb die Angelegenheit für den HSV recht zäh machen.

Während Werder also vor allem die Lücken in der Mitte bespielen will, probiert es Hamburg auf den Außen und nicht selten auch mit Flanken. Am Samstagabend wird es nun für beide Teams im Aufeinandertreffen im Weserstadion darum gehen, wer seinen eigenen Stil mit mehr Vehemenz durchdrücken kann.