Darts

6 Deutsche, 6 Österreicher, die UK Open so deutschsprachig wie noch nie

März 4, 2021März 10th, 2021

Das größte Dartsturnier auf der PDC Tour steht unmittelbar bevor: Die UK Open. Eines der traditionsreichsten Turniere im Jahresablauf muss diesmal ohne Fans abgehalten werden, aber auf dem Turniergelände wird dennoch richtig viel Bewegung drin sein.

Zwar gibt es eine TV-Übertragung von der Hauptbühne und auch einen Livestream von der Nebenbühne, doch zusätzlich wird zeitgleich auf mehreren Floor Boards gespielt, damit das Geschehen mit insgesamt 154 Spielern zeitnah vonstattengehen kann.

Eigentlich gibt es sogar 160 Teilnehmer, doch sechs Spieler, darunter auch die Deutschen Robert Marijanovic und Michael Unterbuchner, haben für die UK Open abgesagt. Obwohl zwei Deutsche abgesagt haben, sind insgesamt sechs Deutsche am Start. Hinzu kommen auch sechs österreichische Spieler. Die deutschsprachige Sektion ist wohl so groß wie noch nie. Der neue Tourcard-Gewinner Florian Hempel wird nach dem Verpassen der Super Series überhaupt sein Debüt als PDC-Profi geben. Er muss schon in Runde eins an den Start und trifft auf den Niederländer Jitse van der Wal. Bei einem Weiterkommen würde ein Duell gegen den Sieger der Partie Jim McEwan und Sebastian Bialecki warten. Keiner der beiden besitzt eine PDC-Tour Card.

Spannende Lose für deutsche Starter

Ein durchaus hartes Auftaktlos hat auch Martin Schindler erwischt. Er trifft auf den Niederländer Berry van Peer und in Runde zwei wartet der Kanadier Jeff Smith auf den Sieger. Mit Lukas Wenig hat sich auch ein Deutscher über die Q-School Order of Merit für die UK Open qualifiziert und er bekommt es in Runde eins mit dem Engländer Chas Barstow zu tun, der die Tour Card nur denkbar knapp verpasste. Immerhin durfte er zum Trost als Nachrücker an der Super Series teilnehmen und zeigte dort sein Können. Im Duell mit Wenig darf man wohl ein Spiel mit hohen Scores erwarten, denn dafür sind beide Spieler bekannt.

Der vierte Deutsche, der bereits früh ins Turnier einsteigt, ist Steffen Siepmann. In Runde zwei trifft er auf den Tour-Neuling David Evans. Siepmann ist hier wohl leichter Favorit. In Runde drei würde Damon Heta aus Australien warten, hier sind die Rollen dann klar vertauscht. “The Heat” hat sich gleich in seinem ersten Jahr auf der Tour in die Top 64 der Welt gespielt.

Dieses Kunststück gelang einst Zoran Lerchbacher. Und das sogar ohne Tour Card. Somit bekam er eine Tour Card, doch musste diese im Jänner 2020 abgeben. Dieses Jahr hat er sich auf der Q-School durchgesetzt und ist wieder mit dabei auf der Tour. Der Österreicher aus Knittelfeld bekommt es in Runde eins mit dem Waliser Jim Williams zu tun, der vor allem aus BDO-Zeiten große Erfolge vorweisen kann. Bei der PDC lief es bisher nicht nach Wunsch, die Tour Card fehlt noch. Ein Blick auf die anderen Österreicher: Rusty-Jake Rodriguez, der auf der Super Series ein Achtelfinale erreichte, trifft in Runde eins auf Boris Koltsov. Die beiden verstehen sich privat sehr gut, unterstützten sich in der Vergangenheit oft gegenseitig und müssen sich nun um einen Platz in der zweiten Runde matchen. Die Auslosung hat es nicht unbedingt gut gemeint mit den beiden. In Runde zwei wartet WM-Teilnehmer Maik Kuivenhoven, in Runde drei gar der nordirische “Historymaker” Brendan Dolan. Rowby-John, der Bruder von Rusty-Jake, ist ebenso mit dabei. Der Wiener trifft auf den Belgier Brian Raman. Die Chancen für “Little John” stehen nicht schlecht. Auch in Runde zwei würde er auf keinen Tour Card-Inhaber treffen. Erst in Runde drei würde Josh Payne warten und den hat er 2019 auf der European Tour in Wien bezwingen können. Vielleicht ein gutes Omen? Denn damals ging Rowby-John richtig durch die Decke und spielte sein wohl bestes Turnier der letzten zwei Jahre.

“Barney” ab Runde zwei dabei

Aus österreichischer Sicht wird man auch noch die Blicke auf Michael Rasztovits und Harald Leitinger werfen, die beide in der zweiten Runde stehen. Dort treffen sie auf Peter Jacques beziehungsweise auf Karel Sedlacek. Das Topduell der zweiten Runde ist mit Sicherheit die Begegnung von Raymond van Barneveld und Alan Soutar. Während Barney als fünffacher Weltmeister ohnehin einer der beliebtesten Dartsspieler auf der Tour ist, gilt Soutar als äußerst gefährlicher Newcomer. Barneveld konnte gleich bei seinem Comeback ein Turnier gewinnen und ist der bestplatzierte Spieler, der seinen Tour Card 2021 gewann. Der zweitbeste nach den ersten vier Turnieren ist Alan Soutar aus Schottland. Der unter anderem Peter Wright und Adrian Lewis besiegen konnte. Ein viel härteres Los hätten beide wohl nicht erwischen können.

Wie steht es um Max Hopp und Gabriel Clemens? Hopp steigt in der dritten Runde ein und trifft auf William O’Connor. Clemens ist erst ab der vierten Runde mit von der Partie, genauso wie Österreichs Mensur Suljovic. Die ersten drei Runden werden allesamt am Freitagnachmittag gespielt. Danach wird neu gelost und alle Spieler aus den Top 32 der Welt kennen erst dann ihre Gegner. Besonders an diesem Turnier ist ohnehin, dass es keine Setzung gibt und jede Runde ab Runde vier neu ausgelost wird. Somit sind immer wieder große Überraschungen möglich. Vielleicht sogar aus deutscher oder österreichischer Sicht.

Topfavorit kommt diesmal aus Wales

Topfavorit auf den Turniersieg ist im Moment wohl gar nicht Michael van Gerwen. Und vielleicht auch nicht Gerwyn Price. Aber dann muss es ja Peter Wright sein. Aber auch der zeigte zuletzt nicht die beste Form. Auch wenn es viele noch nicht ganz wahrhaben wollen, aber die ersten vier Turniere haben eines gezeigt. Der Turniersieg führt nur über Jonny Clayton! Ganz genau, “The Ferret” aus Wales. Nummer 18 der Welt. Seit dem Gewinn des World Cups gemeinsam mit Gerwyn Price spielt Clayton befreit auf, steigerte sich kontinuierlich. Es folgte der erste große Solo-Titel mit dem Gewinn des Masters und eine Super Series, die er dominierte wie kein anderer. Drei Finalteilnahmen in vier Tagen. Absolut grandios. Genauso wie seine Leistungen, denn unter einem Average von 95 Punkten spielte Clayton nur selten. 103, 109 waren schon eher die Match-Averages die bei seinen Spielen aufleuchteten. Ein Spieler, der ihm an Tag eins den Titel wegschnappte, war Joe Cullen. Und auch den “Rockstar” muss man bei den UK Open auf der Rechnung haben. In puncto Konstanz kann er Clayton nahezu das Wasser reichen und war abgesehen von Clayton einer der dominantesten Spieler zum Tour-Auftakt. Dass sein WM-Match gegen Van Gerwen keine Eintagsfliege war, bestätigte er eindrucksvoll.

Wer sind sonst noch Men to watch?

Madars Razma aus Lettland performte bei der Super Series äußerst stark. Dass er bei den UK Open ein paar Runden gewinnt, würde nicht überraschen. Ebenso Joe Murnan. Der hatte allerdings Pech, dass er trotz eines Vier-Tages-Averages von mehr als 98 Punkten nur einen Sieg einfahren konnte. Dieses Blatt kann sich schnell wenden. Shootingstar Dirk van Duijvenbode bestätigte ebenso, dass mit ihm auch 2021 zu rechnen ist und zu guter Letzt. Callan Rydz, der schon lange als großes englisches Talent angepriesen wurde, konnte seinen ersten PDC-Titel bei der Super Series gewinnen. Kein Zufallsprodukt, denn seine Formkurve zeigt seit Monaten nach oben. Er steigt in Runde drei gegen Ross Smith in die UK Open ein. Einer sei noch erwähnt: Dimitri van den Bergh musste sich einer Knieoperation unterziehen. Seinem Spiel tat dies aber sichtlich keinen Abbruch. Der Belgier ist nach wie vor in Topform.

Man darf sich zweifelsfrei freuen, auf ein extrem spannendes Turnierwochenende. Überraschungen werden aufgrund des Modus zwangsläufig folgen und es bleibt interessant zu beobachten, wer sich am Ende zum UK Open Champion krönen kann. Vor zwei Jahren gelang dies Nathan Aspinall, der damit endgültig den Durchbruch in die Weltelite schaffte. Schreiben wir 2021 eine neue Darts-Geschichte?

PS: Als Van Barneveld 2006 zum ersten Mal auf die PDC-Tour kam, gewann er prompt die UK Open. Nur, damit wir das auch noch erwähnt hätten.