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EURO-Update: Hoffnungsvolle Deutsche, enttäuschte Ungarn, zahnlose Spanier

Juni 17, 2021Juni 23rd, 2021

Der erste Gruppenspieltag der EURO ist vorbei. Ein offensives Feuerwerk haben die wenigsten Teams abgebrannt. Stattdessen ging es für einige Nationen darum, spielerisches Selbstverständnis zu entwickeln. Die deutsche Mannschaft ist trotz der Niederlage auf einem guten Weg.

Die deutsche Nationalmannschaft startete mit einer 0:1-Niederlage in das Turnier. Allerdings war das Ergebnis angesichts des Gegners – Frankreich – bittersüß. Immerhin habe sich Deutschland gegen den Top-Favoriten nicht blamiert, könnte Glas-halb-voll-Fraktion argumentieren. In der Tat wurde es keine Schmach wie das 0:6 im vergangenen Herbst gegen Spanien. Aber die Deutschen sind auch keinesfalls auf Augenhöhe mit den Besten in Europa.

Während Deutschland defensiv recht stabil stand und nur in der Flügelverteidigung das eine oder andere Mal schlecht aussah, ging in der Offensive nur wenig zusammen. Die Passstafetten, die Deutschland ins letzte Spielfelddrittel führten, versandeten dann zumeist im Strafraum. Bei aller Kreativität im Mittelfeld fehlt es der Mannschaft an einem zentralen Zielspieler, an denen sich die anderen Offensivkräfte orientieren können. Salopp gesagt: Bayern-Profis wie Thomas Müller, Serge Gnabry und Leroy Sané fehlt ein Robert Lewandowski.

An dieser Situation wird sich aber in den kommenden Wochen ohnehin nichts ändern. Bundestrainer Löw hat nur Stürmer dabei, die am Boden ihre Stärke haben. Deshalb muss der 61-Jährige bei seinem letzten Turnier andere Wege finden, damit Deutschland in den kommenden Partien zum Torabschluss kommt. Andernfalls war das achtbare 0:1 gegen Frankreich auch nur der Auftakt zu einer weiteren Enttäuschung.

Emotionen und Enttäuschungen in Budapest

Die Partie der Ungarn gegen Portugal war eine besondere. Denn die Puskás Aréna in Budapest war vollgepackt – eine ungewöhnliche Ansicht in diesen Tagen. Die heimischen Fans peitschten ihre Mannschaft voran, wohlwissend, dass Ungarn nur Außenseiterchancen gegen den amtierenden Europameister hatte. Portugal dominierte über lange Strecken der Partie, kam aber selten zu Torabschlüssen. Die Iberer bemängeln seit langem, dass Nationaltrainer Fernando Santos keine kreativen Ideen hat und auf ein recht simples und gleichfalls ausrechenbares 4-2-3-1 setzt.

Cristiano Ronaldo, der mit seinem Elfmetertreffer dem internationalen Torrekord von Ali Daei wieder ein Stückchen näher kam und nun nur noch vier weitere benötigt, war als Sturmspitze größtenteils verschenkt. Dafür schmorte Frankfurt-Star Andre Silva lange auf der Bank. Bei allem Talent, das die Portugiesen besitzen, wobei sogar gesagt wird, dass diese Mannschaft stärker als jene von 2016 sei, wird das Potenzial nur unzureichend ausgeschöpft.

Ungarn beschränkte sich vor allem aufs Verteidigen. In Abwesenheit von Offensivmotor Dominik Szoboszlai fehlte es der Heimmannschaft an entsprechender Qualität, um die Portugiesen allzu oft in die Bredouille zu bringen. Dieser destruktive Ansatz garantiert keinen Hochglanzfußball, aber er könnte auch Frankreich und Deutschland das Leben schwer machen.

Ballkontrolle ohne Ertrag für Spanien

Einen ertraglosen Abend verlebten unterdessen die Spanier gegen Schweden am Dienstag. Trotz 85 Prozent Ballbesitz und klarer Feldüberlegenheit kamen die Iberer zu keinem Treffer. Das lag nicht ausschließlich an der Ideenlosigkeit ganz vorn, sondern auch am mangelnden Killerinstinkt von Álvaro Morata. Der Juventus-Stürmer ist ohnehin ein Spieler, an dem sich schon lange die Geister scheiden.

Spanien spielt feinen Fußball, verfällt aber wie schon in der Vergangenheit in eine spielerische Selbstgefälligkeit. Alles wirkt präzise und fehlerlos, aber auch nicht unbedingt bissig. Die aktuelle Auswahl setzt diesen Trend nun fort. Bei den EM-Titeln 2008 und 2012 verfolgte Spanien auch schon eine ganz eigene Philosophie, war aber noch mit mehr Durchschlagskraft gesegnet. Vielleicht können die Iberer diese wieder entwickeln, wenn der Gegner wenigstens versucht mitzuspielen. Denn daran war Schweden nicht interessiert.