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EURO-Viertelfinale: England auf dem Weg zum Finale?

Juli 2, 2021

Nach dem großen Sieg über den Rivalen Deutschland sollte den Engländern auf dem Weg zum Finale doch nichts und niemand mehr entgegenstehen. Oder etwa doch? Am Samstag ermitteln Dänemark und Tschechien sowie England und die Ukraine die zweite Halbfinalpaarung dieser Europameisterschaft.

Mit Gegner Ukraine hat England zumindest auf dem Papier die leichteste Aufgabe. Die Ukraine spielt unter Trainerstar Andriy Shevchenko einen couragierten, aber teilweise auch ausrechenbaren Fußball. Gegen Schweden zum Beispiel zogen die Ukrainer aus ihrer 3-5-2-Grundordnung heraus ein sauberes Passspiel auf, aber schienen nur selten in der Lage, effektive Durchbrüche zu erzielen. Es ist vor allem erstaunlich, dass die Ukraine lediglich punktuell Dribblings versucht und Eins-gegen-Eins-Duelle forciert. Kreative Schlüsselakteure wie Ruslan Malinovskiy halten sich oft auffallend zurück. Dafür spielt die Ukraine mit viel Intensität und kann sich über das eigene Mittelfeldpressing in nahezu jede Partie hineinkämpfen.

Anders als gegen Schweden werden die Ukrainer gegen England gewiss keine 50 Prozent Ballbesitz verbuchen. England wird das Geschehen auf dem Rasen des Stadio Olimpico von Rom weitestgehend dominieren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Trainer Gareth Southgate vom 3-4-3, das gegen Deutschland zum Einsatz kamen, wieder zum Standard-4-2-3-1 zurückkehrt, weil er das ukrainische Ballbesitzspiel natürlich weniger fürchtet als das deutsche. Allerdings funktionierte das 3-4-3 auch so gut, weil die letzte Linie eben nicht nur tief stand und versuchte, die Lücken zu schließen, sondern recht häufig herausrückte und Druck auf die DFB-Elf ausübte.

Die Deutschen konnten mit ihrer Passstärke lange Zeit gut dagegenhalten, aber den Ukrainern sollte das seltener gelingen. Für sie wird es darum gehen, mit Tempo über Oleksandr Zinchenko und Andriy Yarmolenko, hinter dessen Einsatz noch ein Fragezeichen steht, vereinzelte Konter zu setzen. Die Engländer sind klare Favoriten.

Duell der Underdogs

Im Halbfinale, dann wieder im Wembley Stadium, würde auf England eine dieser beiden Mannschaften warten. Und darin besteht auch eine Gefahr für die Three Lions. Natürlich sind sowohl Tschechien als auch Dänemark kleinere Fußballnationen, aber beide haben unter Beweis gestellt, dass sie bei dieser Europameisterschaft zu Höherem berufen sind. Die Tschechen spielten beim Sieg über die Niederlande eine strikte Manndeckung und zogen damit der Oranje über die erste Stunde des Spiels hinweg den Zahn. Die Tschechen blieben geduldig und warteten, dass irgendwann ihr mannorientiertes Pressing Fehler auf gegnerischer Seite hervorrufen würde – mit Erfolg.

Nun stellt sich für Nationaltrainer Jaroslav Šilhavý die Frage, inwieweit er einen ähnlichen Ansatz gegen Dänemark verfolgt. Die Dänen machen selbst gern das Spiel, weshalb ein defensivorientierter Matchplan für die Tschechen sogar passend sein könnte. Der große Unterschied zwischen Dänemark und den Niederlanden besteht jedoch in der positionellen Variabilität, welche die Mannschaft von Kasper Hjulmand mitbringt. Durch Überladungen einzelner Räume sowie positionelle Rochaden im Mittelfeld könnten Lücken auf dem Feld entstehen, sofern die tschechischen Deckungsspieler unablässig die direkten Gegenspieler verfolgen. Stellt es Dänemark clever an, sollten sich insbesondere für die tempostarken Offensivkräfte einzelne Freiräume ergeben, in die sie dann sprinten könnten, während sie aufgrund ihres Tempos den Manndecker abschütteln.

Dänemark sollte in dieser Partie, die im entfernten Baku ausgetragen wird, leichter Favorit sein. Allerdings sind die Tschechen gut darin, aus ihrem destruktiven Spielansatz heraus schnell den Schalter umzulegen und die Offensive rund um Leverkusen-Stürmer Patrik Schick hinter die letzte Abwehrlinie zu schicken. Die dänische Defensive wird gewiss häufiger als beim 4:0-Sieg über Wales gefordert sein.