Euro

Wer waren die herausragenden Spieler der EURO?

Juli 8, 2021Juli 12th, 2021

Bei einer Europameisterschaft geht es natürlich in erster Linie um den Wettstreit der Nationen. Aber ebenso werden in solchen Turnieren, neue Stars geboren oder Altmeister erleben ein letztes Hurra. Wer waren denn bei dieser EURO die herausragenden Einzelakteure?

Der Leistungsträger: Raheem Sterling

Sterling hat eine besondere Beziehung mit seinem Heimatland und auf keinen Fall eine einfache. Seit Jahren ist er die Zielscheibe des Boulevards, wird privat rund um die Uhr von Fotografen verfolgt. Nicht wenige meinen, dass dahinter auch rassistische Motive stecken. Wenn sich Sterling ein teures Auto leistet, wird ein Skandal konstruiert, während bei anderen Fußballstars kein Hahn danach kräht. Vor Beginn des Turniers wollten viele Engländer den zuletzt schwächelten Flügelstürmer nur auf der Ersatzbank sehen.

Doch Nationaltrainer Gareth Southgate setzte unbeeindruckt dessen auf Sterling. Und er war es auch, der die englische Offensive in Schwung brachte. Vier Scorerpunkte hat der 26-Jährige in sechs Partien gesammelt. Als etwa Kapitän und Mittelstürmer Harry Kane noch auf der Suche nach seiner taktischen Rolle war und andere Engländer in der Offensive sehr zögerlich agierten, marschierte Sterling mit großem Selbstbewusstsein voran. Der Respekt vorm Dribbler von Manchester City wuchs von Partie zu Partie. Jedes Mal, wenn er beispielsweise im Achtelfinale gegen Deutschland an den Ball kam, konnte man gut erkennen, wie die DFB-Verteidiger sofort in Alarmbereitschaft waren. Nach einer für ihn eher verkorksten Saison hat Sterling die Bühne der Europameisterschaft zu seinen Gunsten genutzt.

Der Goalgetter: Patrik Schick

Auch wenn es für die Tschechen nicht für einen Halbfinaleinzug gereicht hat, machten einige der Spieler Werbung für sich – allen voran Mittelstürmer Patrik Schick. Bei Bayer Leverkusen durchlebte der 25-Jährige keine zufriedenstellende Saison, aber im Trikot der Nároďák war er ein absoluter Leistungsträger. Am Ende standen fünf Tore zu Buche und damit genau so viele wie für Cristiano Ronaldo, wobei der Portugiese dreimal vom Elfmeterpunkt traf, Schick hingegen nur einmal. Nur ein Treffer seiner Mannschaft beim gesamten Turnier wurde nicht von ihm selbst erzielt.

Schick überzeugte aber ohnehin nicht nur als Torjäger, sondern war auch stark darin, Bälle festzumachen und auch im mittleren Spielfelddrittel Lücken in der gegnerischen Defensive zu erkennen. Seine Auftritte erinnerten in Ansätzen an jene für RB Leipzig, bei denen Schick auch oftmals ein omnipräsenter Mittelstürmer war. Für die häufig auf Umschaltangriffe ausgerichtete tschechische Mannschaft war ein Zielspieler wie Schick goldwert. Dass er in der Schlussphase gegen Dänemark im Viertelfinale vom Rasen musste, zerstörte mehr oder weniger die Resthoffnung der Tschechen auf eine mögliche Verlängerung.

Der Aufsteiger: Joakim Mæhle

Gerade Kennern des italienischen Fußballs war Joakim Mæhle natürlich bereits vor dieser EURO ein Begriff. Bei Atalanta bildet er auf dem rechten Flügel das Pendant zum linken Flügelläufer Robin Gosens. Allerdings ist Mæhle ein etwas anderer Spielertyp. Er kommt nicht ausschließlich über seine Dynamik, sondern nutzt oftmals intelligentes Positionsspiel und herausragendes Timing bei seinen Vorstößen, um gegnerische Verteidiger zu überrumpeln.

Im dänischen Team kam der Rechtsfuß auf der linken Seite zum Einsatz und musste deshalb bei Flankenläufen eine Lösung finden, um nicht ständig einzudrehen und Zeit zu verlieren. Deshalb schlug Mæhle einfach einige präzise Außenristflanken, die an Riccardo Quaresma erinnerten. Defensive löste er seine Aufgaben normalerweise unaufgeregt, wobei zur ganzen Wahrheit auch gehört, dass er im Halbfinale gegen England einige Male von Sterling und auch Bukayo Saka düpiert wurde, weil er eindeutige Nachteile im Antritte hatte. Trotzdem ist der 24-Jährige, der noch bis zum Januar bei KRC Genk in der belgischen Liga spielte, mittlerweile in aller Munde – und das eine oder andere Angebot wird bei ihm gewiss bald eintreffen.

Der Vergessene: Sergio Busquets

Diese EURO entwickelte sich auch zu einer Bühne für große Auftritte einiger Altstars. Stellvertretend dafür können neben Sergio Busquets ebenso Luka Modrić, Mats Hummels oder Thomas Vermaelen stehen. Sie alle zeigten noch einmal jenen, die sie schon abgeschrieben haben, dass sie eben nicht schon ins fußballerische Altersheim gehören. Bis auf seinen Elfmeterfehlschuss gegen die Schweiz hat sich Busquets während des Turniers nahezu keine Fehler geleistet.

Der schon immer langsame Katalane mag in den vergangenen Jahren noch einmal an Tempo eingebüßt haben, aber fast keiner im Weltfußball kann ein Spiel gleichermaßen defensiv wie offensiv so gut lesen wie er. Busquets gab jungen und unerfahrenen Mannschaftskollegen wie Pedri die notwendige Sicherheit und fungierte als verlängerter Arm von Nationaltrainer Luis Enrique. Er ging auf dem Feld voran und war auf seine Weise der Motor der Spanier. Dass es am Ende nicht zum Finaleinzug reichte, lag gewiss nicht an ihm.