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Italien gegen England im EM-Finale – Is it coming home or going to Rome?

Juli 9, 2021Juli 12th, 2021

Am Sonntag gipfelt eine packende Europameisterschaft im Finale in London. Italien trifft im Wembley auf die englischen Hausherren. Beide Teams mussten in den Halbfinals weit über 90 Minuten gehen, um sich einen Platz im Endspiel zu sichern. Italien gilt als leichter Favorit, doch auf der Insel fiebert ein ganzes Land dem ersten EM-Titel überhaupt entgegen. Wer holt sich den Titel?

„It’s coming home“ – Die Phrase stammt aus einem Lied namens Three Lions, das die zwei Comedians Frank Skinner und David Baddiel gemeinsam mit der Band Lightning Seeds aufnahmen und zur EM 1996 veröffentlichten.

„Football’s coming home“ bezieht sich auf die Rückkehr des Fußballs an seine Geburtsstätte und darauf, dass die Euro 1996 das erste große Turnier war, das seit der Weltmeisterschaft 1966 in England stattfand und damit der Fußball zu seinen Ursprüngen zurückfindet. Der Song wird aus der Perspektive skeptischer englischer Fußballfans erzählt, die im Laufe der Jahre von all den ach so nahen Erfolgen zermürbt wurden, aber immer noch Hoffnung auf zukünftige Erfolge haben.

Bei dem Turnier, für das der Song ursprünglich veröffentlich wurde, gab es einen tragischen Helden – Gareth Southgate. Der heutige Coach der Engländer verschoss im Halbfinale gegen Deutschland den entscheidenden Elfmeter und sein Team schied aus. Dass der einstige Pechvogel ausgerechnet derjenige sein kann der die Three Lions nun zum Titel führt, macht die Geschichte perfekt. Darum erlebte der Song seinen x-ten Frühling und wird in ganz England gefeiert – mit einem Sieg im Finale würde nicht nur diese Zeile seinen absoluten Höhepunkt erreichen, auch die Ekstase der englischen Fußballfans.

Ein Finale konnten die Engländer bereits für sich entscheiden. 1966 holten die Three Lions im Wembley die Weltmeisterschaft. 2021 könnte bei der ersten Finalteilnahme bei Europameisterschaften der erste EM-Titel folgen. Bisher gab es zehn verschiedene Sieger, England wäre nach Portugals Triumph 2016 der zweite neue Triumphator in aufeinanderfolgenden Turnieren.

Ben Chilwell, Reece James und Mason Mount könnten sich in die elitäre Liste der bisher neun Spieler einreihen, die in der gleichen Saison sowohl die EM als auch den Europapokal gewinnen konnten, nachdem sie im Mai mit Chelsea in der Champions League triumphierten. Bisher gelang dies Luis Suárez (1964), Hans van Breukelen, Ronald Koeman, Berry van Aerle, Gerald Vanenburg (alle 1988), Fernando Torres, Juan Mata (2012), Cristiano Ronaldo und Pepe (beide 2016). Auch Italiens Jorginho hat diese historische Chance.

„It’s coming to Rome“

Ein Bild ging in den letzten Tagen viral, besonders italienische Fans und ihre Sympathisanten trugen es in die Welt. Es zeigt zwei italienische Fans, die auf einem Plakat den englischen Refrain abänderten und aus „It’s coming home“ kurzerhand „It’s coming to Rome“ machten. Die Italiener warten seit 1968 auf den zweiten EM-Titel. Damals triumphierten die Italiener gegen Jugoslawien, allerdings erst im zweiten Match. Damals gab es noch kein Elfmeterschießen, deshalb musste nach einem 1:1 nach Verlängerung die Partie zwei Tage später wiederholt werden. Luigi Riva und Pietro Anastasi sorgten für das 2:0 – die Italiener krönten sich zuhause zum Europameister.

Seither standen die Azzurri zwei Mal im Finale, hatten jedoch beide Male das Nachsehen. 2000 musste man sich gegen Frankreich im Golden Goal geschlagen geben, 2012 setzte sich Spanien deutlich mit 4:0 durch – der höchste Sieg in einem EM-Finale. Nur die Sowjetunion und Deutschland verloren mit jeweils drei mehr Finalspiele bei Europameisterschaften. Mit einem Sieg im Wembley wären die Italiener die vierte Mannschaft, die zumindest zwei Mal den europäischen Titel holte. 2012 gegen Spanien standen zwei Spieler, die auch heute noch das Herz der Mannschaft darstellen – Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini. Heuer soll alles anders werden. Die Italiener brennen auf den Titel und die Südeuropäer zeigten bei der EM etwas, das man von ihnen so gar nicht kennt – ansprechenden Offensivfußball.

Duell auf Augenhöhe

In den vergangenen Jahren gab es Aufeinandertreffen der beiden Teams. Insgesamten matchte man sich 27 Mal, Italien gewann zehn Spiele, England acht, obwohl die Engländer mit 33 Toren zwei mehr erzielten als die Azzurri. Das letzte Spiel, ein Freundschaftsspiel im Wembley im Mai 2018, endete 1:1, wobei Lorenzo Insigne erst in 87. Minute mittels Elfmeter den Fühungstreffer von Jamie Vardy egalisierte. Kyle Walker, Kieran Trippier, John Stones, Raheem Sterling und die eingewechselten Jordan Henderson und Marcus Rashford standen für England auf dem Platz, bei Italien waren Gianluigi Donnarumma, Leonardo Bonucci, Jorginho, Ciro Immobile und die eingewechselten Federico Chiesa und Andrea Belotti dabei. Southgate leitete die englische Nationalmannschaft, während Luigi Di Biagio im letzten Spiel vor der Ernennung von Mancini als italienischer Interimstrainer fungierte.

Das letzte Pflichtspiel zwischen den beiden Teams endete mit einem 2:1-Sieg Italiens in der Gruppenphase der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Henderson und Sterling begannen für England, Salvatore Sirigu, Chiellini und Marco Verratti für Italien, Immobile wurde eingewechselt.

Im EM-Finale 2021 dürfte ein spannender Kampf auf Augenhöhe warten. Beide Mannschaften konnten im bisherigen Turnierverlauf aufzeigen, beide hatte schon ihre Schwierigkeiten. Die Fanlager der zwei Nationen brennen auf den Titel – am Sonntag wird sich zeigen, wer sich schlussendlich „das beste Team Europas“ nennen darf und ob der Fußball „at Home“ oder „in Rome“ regiert.