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Angstgegner Färöer oder warum Österreichs Nationalteam ein wichtiger Teil der Färinger Fußballhistorie ist

März 26, 2021

Österreich und die Färöer verbindet die Fußballgeschichte. Gegen Österreich spielten die Färinger ihr erstes offizielles Länderspiel. Gegen Österreich feierten die Färinger den größten Erfolg ihrer Geschichte. Gelingt dem Underdog auch erstmals ein Punktgewinn in Wien?

Zum Glück trifft Österreich am Sonntag zuhause auf die Färöer. Nach dem mühevollen 2:2 zum WM-Quali-Auftakt in Schottland wäre eine Blamage auf den Inseln in Nordatlantik wohl gleichbedeutend mit dem Ende der WM-Träume. Zuletzt waren die Österreicher 1998 in Frankreich bei einer Endrunde präsent.

Aber an eine Blamage auf den „Schafsinseln“ wird wohl keiner denken. Oder doch? In drei Spielen auf den Färöern gelang dem ÖFB-Team nämlich erst ein Sieg. Dazu gab es ein Remis (2008) und die Mutter aller Blamagen. Am 12. September 1990 verlor das Nationalteam von Trainer Josef „Peppi“ Hickersberger, mit Spielern wie Michael Konsel, Andreas Herzog und dem „spanischen“ Stürmerduo Gerhard Rodax (Atletico Madrid) und Toni Polster (FC Sevilla) mit 0:1.

Das Länderspiel gegen Österreich, zum Auftakt der WM-Qualifikation, war das erste offizielle Bewerbsspiel der Färingischen Nationalmannschaft. Angetreten waren ausnahmslos Amateure. Im Tor war es der Staplerfahrer Jens Martin Knudsen der nicht nur mit seiner skurrilen Zipfelmütze auffiel, sondern Polster und Co. auch mit seinen Paraden zur Verzweiflung brachte.

Die österreichische Tageszeitung „Kurier“ titelte damals „Österreich hat sich unsterblich blamiert“. Das kommt hin. Vor allem aber werden die Färinger Helden von damals noch heute gefeiert. „Dieses Spiel ist bei uns immer noch eine ganz spezielle Sache. Es wirkt noch immer nach, und solange es Fußball auf den Färöern gibt, wird das immer so sein. Deshalb ist ein Spiel gegen Österreich für uns auch immer etwas Besonderes“, erklärte Knudsen vor dem letzten Heimspiel der Österreicher gegen die Färöer. Dieses war dann übrigens eine klare Angelegenheit, die Elf von Teamchef Marcel Koller siegte mit 6:0. Und einige Spieler von damals sind auch heute noch Teil der Nationalmannschaft, Aleksandar Dragovic und David Alaba beispielsweise.

Diese Generation weiß auch, wie man auf den Färöer-Inseln gewinnt. Das gelang nämlich zum ersten und einzigen mal im Oktober 2013 – 3:0 siegten Alaba und Co. damals.

Zwischen diesem ersten Sieg und der Blamage von 1990 gab es noch ein drittes Spiel auf den Inseln. Ebenfalls der Kategorie „Blamage“ zuzuschreiben. Im Oktober 2008 rettete Martin Stranzl der Auswahl von Karel Brückner ein 1:1. Mitansehen musste diese Schmach glücklicherweise niemand – die TV-Verbindung war ausgefallen.

Zuhause zeigte sich Österreichs Nationalteam bislang mehr oder weniger souverän gegen die Kicker vom 50.000-Einwohner-Inselstaat. Neben dem 6:0 im Jahr 2013 gab es zwei weitere Siege – 3:0 im Jahr 1991 und 3:1 im Jahr 2009.

Wenn die Foda-Elf am Sonntag die Färöer in Wien empfängt, hat sich vor allem eines im Vergleich zur Blamage von 1990 geändert: Man spielt nicht gegen Staplerfahrer und Fischer, sondern gegen gestandene Fußballprofis, die ihr Geld bei Klubs in Deutschland, Dänemark, Schweden oder Norwegen verdienen.

Sollte der Mannschaft um Bielefeld-Legionär Edmundsson nach dem 1:1 in Moldawien zum Quali-Auftakt aber tatsächlich auch ein Punktgewinn in Wien gelingen, würde wohl wieder das halbe Land (wortwörtlich!) seine Helden feiern. Wie beim Sieg 1990, als rund 20.000 Menschen die Sieger in der Hauptstadt Torshavn hochleben ließen.