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Das Revierderby ist ein Duell zweier Krisenclubs: Borussia Dortmund möchte den Kontakt zu den Champions-League-Rängen herstellen und Schalke will einen letzten Versuch im Abstiegskampf übernehmen

February 19, 2021

Es gab Zeiten, da war das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 ein Spitzenduell der deutschen Bundesliga. Am 22. Spieltag der aktuellen Spielzeit ist ein Aufeinandertreffen zweier Vereine, die sich in der Krise befinden.

Eigentlich ist das Revierderby eines der prestigeträchtigsten Spiele in Fußball-Deutschland. Jahr für Jahr strömen die angeheizten Fans von Borussia Dortmund und Schalke 04 zweimal in die Stadien, um ihre Teams mit besonderer Leidenschaft anzufeuern. Wessen Verein das Revierderby gewinnt, der darf im Ruhrpott für die nächste Zeit erst einmal angeben. Doch in diesem Jahr ist alles anders.

Natürlich werden beim Revierderby am Samstag keine Fans in der Schalker Arena sein. Und zugleich könnte im Duell zwischen beiden Clubs ein wenig Wehmut aufkommen. Denn Schalke nicht noch ein Wunder gelingen, werden sie in die 2. Bundesliga absteigen. Damit wäre dieses Revierderby das vorerst letzte.

Dortmund fehlen Automatismen

Abseits der Sentimentalitäten geht es am Samstag für beide Mannschaften um drei nackte Punkte. Der BVB braucht diese dringend, um nicht den Anschluss an die Champions-League-Ränge zu verlieren. In den vergangenen Wochen fiel es den Dortmundern sichtlich schwer, mit einer gewissen Konsequenz die offensiven Räume zu bespielen. Kreativkräfte wie Marco Reus und Giovanni Reyna hingen eher in der Luft, als dass sie entscheidend Einfluss nehmen konnten.

Wenngleich Trainer Edin Terzic mit aller Macht versucht, dem Offensivspiel seiner Mannschaft die noch unter Lucien Favre vorherrschende Vorsicht zu nehmen, fehlt es weiterhin an den Automatismen bei eigenem Ballbesitz. Kommt der BVB mal zu Torchancen, sind dafür meist Einzelkönner wie Jadon Sancho verantwortlich. Als Kollektiv funktioniert Dortmund nur bedingt. Genau das braucht es aber, um die drei Punkte aus Schalke mitzunehmen und auch die in den kommenden Wochen zu bestehen.

Schalke offensiv ungefährlich

Schalke wiederum benötigt die drei Zähler, damit es eine Aufholjagd auf die Nichtabstiegsränge einläuten kann. Aktuell sind es neun Punkte auf den Relegationsrang. Anders als beim BVB ist es fast unmöglich, bei Schalke einzelne Schwachpunkte auszumachen, an denen Trainer Christian Gross arbeiten müsste. Für die Königsblauen läuft es schlicht in keiner Phase des Spiels wirklich rund.

In der Offensive etwa fehlte zuletzt nahezu jegliche Unterstützung für Mittelstürmer Matthew Hoppe. Allenfalls Amine Harit schafft es gelegentlich, den US-Amerikaner mit präzisen Pässen in Szene zu setzen. Ansonsten läuft Hoppe viele Kilometer ohne nennenswerten Ertrag. Die offensive Ungefährlichkeit wäre nur halb so schlimm, würde Schalke wenigstens defensiv kompakt stehen. Doch auch das gelingt den Königsblauen nur sehr selten. Jeder Gegner findet mit schnellen Passstafetten Lücken in Schalkes 4-2-3-1/4-4-2.

Trainer-Veteran Gross wirkt in diesen Tagen nicht so, als wüsste er schon, wie er mit der Mannschaft die sportliche Wende schaffen kann. Normalerweise dürfte Schalke bei einem Revierderby auf die besondere Unterstützung von den Rängen und die außergewöhnliche Atmosphäre hoffen, durch die der Leistungsunterschied zum BVB ein wenig kaschiert würde. Aber in diesem Jahr ist nichts normal.