Fussball

Hamburger Stadtderby: Ein Duell der Fußballphilosophien

August 9, 2021

Schon früh in dieser Saison gibt es in der 2. Bundesliga einen echten Klassiker. Der Hamburger SV und der FC St. Pauli duellieren sich am Freitag um die Vorherrschaft in der Hansestadt. Die unangefochtene Favoritenrolle hat der HSV indes verloren.

Seit nunmehr über drei Jahren befindet sich der Hamburger SV im Unterhaus des deutschen Profifußballs. Was einst als kurzes Intermezzo gedacht war, entwickelt sich zu einer erstaunlich langen Reise für den Traditionsclub. Der Kader des HSV hat in diesen drei Jahren immer mehr an Qualität eingebüßt. Doch mit Trainer Tim Walter soll es dafür in dieser Saison spielerisch bergauf gehen.

Der 45-Jährige hat an den ersten zwei Spieltagen direkt gezeigt, mit welchem Fußball er zum Erfolg und bestenfalls zum Aufstieg kommen möchte: lange Ballbesitzphasen, durchdachtes Passspiel und clevere Positionswechsel. Gegen Schalke 04 und Dynamo Dresden verbuchte der HSV 73 beziehungsweise 66 Prozent Ballbesitz und ist zumindest in dieser Kategorie Spitzenreiter in der 2. Bundesliga.

Der Spielstil ändert sich damit radikal, denn unter Walters Vorgängern spielte der HSV häufig sehr geradlinig, aber eben auch unkontrolliert nach vorn. Der Fußball wirkte verbissen und selten wirklich so überlegen und durchdacht, wie man es von einem Spitzenteam erwarten würde. Walter möchte nun eine Selbstverständlichkeit etablieren.

 

Duell der Mittelfeldrauten – St. Pauli mag Dribblings

Interessant beim Stadtderby zwischen dem HSV und St. Pauli ist, dass beide Trainer eine identische Grundformation präferieren. Denn St. Paulis Timo Schultz lässt wie Walter in einem 4-3-1-2, also einer Grundordnung mit Mittelfeldraute, spielen. Übrigens gewinnt die Raute insgesamt im deutschen Profifußball an Beliebtheit. Sie war zuletzt auch bei Borussia Dortmund, dem 1. FC Köln oder Arminia Bielefeld zu sehen.

Allerdings beweist der Vergleich zwischen dem HSV und St. Pauli auch, dass eine Grundordnung noch wenig über den fußballerischen Ansatz aussagt. Denn St. Pauli zeigt geringere Kontrolle im Passspiel und dafür mehr Risiko bei eigenem Ballbesitz. Als Resultat verlieren Schultz‘ Spieler auch häufiger den Ball, wirken aber phasenweise druckvoller als der HSV. Zudem sucht die Mannschaft von St. Pauli verstärkt Eins-gegen-Eins-Situationen und setzt grundsätzlich mehr auf Dribblings als der HSV. Gegen Holstein Kiel und Erzgebirge Aue waren es 24 beziehungsweise 33 Dribblingversuche. In der Auftaktpartie gegen Kiel lag die Erfolgsquote dabei sogar bei 75 Prozent.

 

Insofern wird das Hamburger Stadtderby nicht nur ein Prestigeduell in der Millionenmetropole, sondern auch der Zweikampf zweier konträrer Fußballphilosophien. Wer seinen eigenen Stil konsequenter durchziehen kann und vorm gegnerischen Tor die Nerven behält, sollte auch siegreich vom Rasen gehen.