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Hauptstadt-Derby Hertha BSC – 1. FC Union Berlin: Union ist bisher das Überraschungsteam der Bundesliga, aber ihr Spielstil ist alles andere als eisern

Dezember 4, 2020

Mit kultiviertem Ballbesitzfußball macht Union Berlin aktuell von sich reden. Die Mannschaft rund um Spielmacher Max Kruse geht deshalb auch nicht als Außenseiter ins anstehende Berlin-Derby.

Für gewöhnlich gibt es in jeder Bundesliga-Saison wenigstens eine Mannschaft, die für eine handfeste Überraschung sorgt und sich beispielsweise aus dem Nichts für die Europa League qualifiziert. Den sechsten Rang, der für die Europa League berechtigt, belegt momentan Union Berlin. Nun hatte der Club aus dem Osten der Hauptstadt ein vergleichsweise einfaches Auftaktprogramm. Aber die Art und Weise, wie die „Eisernen“ Fußball spielen, weiß zu beeindrucken.

Statt wie in der Vorsaison vor allem auf lange Pässe zu setzen und Angriffe so schnell wie möglich zum Abschluss zu bringen, hält Union den Ball nun viel häufiger für eine Weile in den eigenen Reihen. Der Abgang von Sturmstar Sebastian Andersson wirkte zunächst wie ein herber Schlag. Allerdings war das Offensivspiel sehr auf ihn und seine Kopfballstärke ausgerichtet. Nun hält Union den Ball am Boden.

Nicht nur Max Kruse glänzt

Eine wichtige Komponente in dieser neuen Spielphilosophie ist natürlich Max Kruse, der vornehmlich als Zehner zum Einsatz kommt. Mit ihm hat die restliche Mannschaft einen wichtigen Offensivanker, der stets mit Pässen gefüttert werden kann. Jeder bei Union weiß, dass Kruse nach Zuspielen etwas mit dem Ball anfangen kann. Er ist vielleicht nicht der schnellste Offensivspieler, aber seine kurzen Bewegungen und sauberen Ballmitnahmen machen den 32-Jährigen zu einem der gefährlichsten.

Nun wäre es jedoch ein Trugschluss zu glauben, dass allein Kruse für die spielerische Veränderung bei Union sorgte. Denn schon zu Saisonbeginn, als der Routinier noch keine Rolle spielte, überraschte Union mit geduldigem und sauberem Kombinationsspiel. Auch andere Akteure präsentieren sich als veritable Ballbesitzfußballer. Zu nennen wären etwa die beiden Innenverteidiger Robin Knoche und Marvin Friedrich, die eben nicht zum langen Schlag greifen, sondern mit Präzision und Risikobereitschaft den Ball flach nach vorn spielen.

Kein Außenseiter im Derby

Dass Union aktuell auf dem sechsten Platz liegt, mag in der Hauptstadt nicht jeden gefallen. Gerade bei Hertha BSC, dem eigentlich so ambitionierten „Big City Club“, wie ihn Investor Lars Windhorst einst taufte, könnte der jüngste Erfolg des „kleinen“ Stadtrivalen für Stirnrunzeln sorgen. Denn während sich Union vom beinharten Aufsteiger zu einem Club mit kulturviertem Ballbesitzfußball weiterentwickelte, ist Hertha noch auf der Suche nach einer fußballerischen Identität.

Auch aus diesem Grund dürfte das Derby am Freitagabend eine spannende Angelegenheit werden. Rein von der Kaderqualität geht Hertha als Favorit in die Partie. Aber die jüngsten Resultate und Unions neugewonnenes Selbstbewusstsein in die eigenen Fähigkeiten – sowie X-Faktor Max Kruse – negieren eigentlich die Annahme, dass die „Eisernen“ ein klarer Außenseiter sind. Das haben sie sich in den vergangenen Monaten erarbeitet.