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Nations League: Dass Dani Olmo mit Spanien gegen Deutschland spielt, liegt auch daran, dass er einen mehr als ungewöhnlichen Karriereweg gewählt hat

November 16, 2020

Er war der Königstransfer von RB Leipzig im vergangenen Wintertransferfenster: Dani Olmo. Der spanische Teamspieler ist erst 22 Jahre alt, wurde bei Barca ausgebildet und wird mittlerweile von Real Madrid gejagt – aber sein Durchbruch gelang ihm über einen Umweg, den vor ihm kein anderer Spanier wählte.

Bilderbuchdebüt vor einem Jahr

Es war ein Bilderbuchdebüt, das Dani Olmo für das spanische A-Nationalteam feierte. Vor ziemlich genau einem Jahr, im November 2019, kam er 24 Minuten beim EM-Qualifikationsspiel gegen Malta zum Einsatz und trug sich beim 7:0-Erfolg seines Heimatlandes prompt in die Torschützenliste ein. Und viele Fans der Furia Roja staunten nicht schlecht, als ihnen bewusst wurde, von wo aus die neue Offensivhoffnung zu seinem ersten A-Länderspiel anreiste: aus Kroatien. Denn Dani Olmo nahm den Umweg Dinamo Zagreb, um bis ganz nach oben zu kommen.

Seit Jahrzehnten ist der kroatische Hauptstadtklub nicht nur die Nummer eins im Land – 21 Meistertitel in den vergangenen 27 Saisonen zeugen davon –, sondern auch bekannt für seine gute Jugendarbeit. Luka Modric, Mario Mandzukic, Niko Kranjcar, Milan Badelj oder Dejan Lovren durchliefen die Dinamo-Talenteschmiede. Und auch ein gewisser Alen Halilovic. Der als Balkan-Messi gefeierte Spielmacher wechselte 2014 im Alter von 18 Jahren zum FC Barcelona – und im Gegenzug landete der 17-jährige Dani Olmo in der größten Stadt Kroatiens.

Dinamo? „Meine Teamkollegen waren schockiert“

„Es war ein großer Sprung für mich. Natürlich war es keine einfache Entscheidung, Barcelona zu verlassen, aber ich bin sehr glücklich bei Dinamo“, sagte Olmo damals nach der Vorstellung. Doch später gab er einmal zu, wie seine Barcelona-Mitspieler darüber dachte: „Meine Teamkollegen waren schockiert.“ Kein Wunder, stach Olma doch bereits in der Barcelona-Talentschmiede La Masia, in der Messi, Iniesta, Xavi oder Cesc Fabregas zu Weltklassespielern geformt wurden, heraus. Selbst Pep Guardiola soll einmal extra wegen dem flinken Offensivspieler bei einem Training gewesen und begeistert von seinem Können gewesen sein.

Doch so überraschend Olmos Karriereschritt war, so richtig war er für seine Entwicklung. „Zu Beginn der Saison war es schwierig, weil mein Englisch nicht so gut war und ich gar kein Kroatisch verstand“, sagt er rückblickend. Schnell spielte er sich aber mit jungen Jahren in die erste Elf und wurde zum Leistungsträger in einer Liga, die nicht das Niveau der Primera Division hat, aber in der man sich auch erst einmal behaupten muss. Währenddessen konnte Halilovic bei Barcelona im Übrigen nie richtig Fuß fassen, scheiterte später auch beim Hamburger SV und ist aktuell sogar vereinslos.

124 Profispiele mit 21 Jahren

„Dani Olmo ist ein fantastisches und großartiges Talent. Er ist besser als Zvonimir Boban und Robert Prosinecki es in seinem Alter waren“, sagte der exzentrische Dinamo-Präsident Zdravko Mamic einmal. Und von seinem früheren Zagreb-Trainer Zoran Mamic ist folgendes Zitat überliefert: „Was er mit dem Ball anstellt, gehört nicht nur zum Besten in unserer Liga, sondern kann auch im internationalen Vergleich mithalten.“ Das bewies auch Olmos Statistik, als er im Jänner 2020 zu Leipzig transferiert wurde. Damals hatte er mit gerade einmal 21 Jahren bereits 124 Einsätze als Profi hinter sich, fünf Meistertitel gefeiert, wurde zweimal zum Spieler der Saison in Kroatien gekürt, hatte Champions League gespielt und war fast nebenbei mit Spanien U21-Europameister geworden.

Mit Spanien im Duell mit Deutschland

Sein Können zeigte Olmo auch bei Leipzig, wo er gerade nach dem Abgang von Timo Werner zum FC Chelsea aufblühte – und sich mit guten Leistungen in der deutschen Bundesliga endgültig für regelmäßige Einsätze in der spanischen Nationalmannschaft empfahl. Seit Anfang September und dem 4:0 in der Nations League gegen die Ukraine kam Olmo in jedem Länderspiel zum Einsatz und wird auch beim Gipfeltreffen der Weltmeister von 2010 und 2014 in der Nations League zum Einsatz kommen (Deutschland – Spanien, Dienstag, 20:45 Uhr). Ein weiteres Spiel, das Olmos Marktwert steigen wird. Als Olmo zu Leipzig ging, erhielt Dinamo Zagreb 21 Millionen aus Sachsen, nun soll Real Madrid die Fühler nach dem Kreativspieler ausgestreckt haben. Kolportiert ist eine Ablöse von 40 Millionen Euro. Egal, wie lange RB Leipzig noch mit dem Spanier planen darf, es sieht alles danach aus, als ob sein ungewöhnlicher Karriereweg ihn am Ende wieder dorthin führt, wo er in der Jugend schon einmal war: in den absoluten Spitzenfußball. Und zu einem Klub von Weltformat.