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Premier-League-Spitzenduell zwischen Meister Liverpool und Tabellenführer Manchester United: Von verschmähten Eigengewächsen und gekauften Sympathieträgern

January 16, 2021

Das Gipfeltreffen in der englischen Premier League könnte derzeit nicht nostalgischer sein. Tabellenführer Manchester United gastiert zum Topspiel bei Verfolger Liverpool. Nicht nur wegen der Tabellensituation, sondern vor allem wegen der historischen Rivalität dieser beiden Vereine hat dieses Duell einen ganz besonderen Touch.

Der neue Weg der „Red Devils“

Während Liverpool seit der Verpflichtung von Trainer Jürgen Klopp einen jahrelangen Aufschwung erlebte und viele Sympathien in ganz Europa gewann, hatte Manchester United in den vergangenen Jahren ganz schön einzustecken. Millionentransfers, die nicht eingeschlagen haben, oder auch Saisonen, in denen die Champions League verpasst wurde. Vor nahezu zwei Jahren entschied man sich bei den „Red Devils“ dann dazu einen kontinuierlicheren Weg einzuschlagen.

An der Spitze: Manager Ole Gunnar Solskjaer. Selbst eine Spieler-Legende von Manchester United. Es zeichnete Manchester United immer aus, Spieler hervorzubringen, die dann beinahe ihre ganze Profikarriere bei United verbrachten und dem Verein somit ein Gesicht verliehen haben. Egal, ob Giggs, Scholes, Rooney oder Carrick. In den vergangenen Jahren waren diese Hoffnungsträger dann oftmals Jesse Lingard, Phil Jones oder Chris Smalling. Eine Fülle an langgedienten Profis, die es nie geschafft haben, in die Fußstapfen ihrer Vorgänger zu treten.

Bester Punkteschnitt der Liga seit Verpflichtung eines neuen Taktgebers

Doch mit Solskjaer wurde auch zunehmend klarer, wer denn tatsächlich das neue Gesicht von Manchester United sein soll. Eigenbauspieler wie Mason Greenwood oder Brandon Williams drängten sich auf, bereits bei den Profis etablierte Spieler wie Marcus Rashford und Scott McTominay konnten sich zu Leistungsträgern entwickeln. Und auch Spieler wie Luke Shaw und Anthony Martial sind mittlerweile schon jahrelange United-Spieler und tragen den Spirit des Vereins auch mit auf das Feld. Was oft fehlte, war ein Mann für besondere Momente. Ein Taktgeber, ein Regisseur, der das Spiel vor allem nach vorne gestalten kann. Vor rund einem Jahr hat man diesen Mann mit Bruno Fernandes gefunden. Seit Fernandes bei United unter Vertrag steht, hat kein Premier League-Team mehr Punkte gemacht als Manchester United. Die Sympathien in Fußball-Europa wird Manchester United wohl noch nicht ganz so schnell wieder auf seine Seite ziehen können. Der Rückschlag mit dem Aus in der Champions League-Gruppe zeigt, dass die Mannschaft noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung ist und vor allem in der Defensive noch einen Weltklasse-Spieler benötigen könnte.

Liverpool: Viel Geld für Reservisten

Diesen fand Liverpool vor einigen Jahren mit Virgil van Dijk. Und siehe da! Seither klappt es bei den „Reds“ auch wieder mit den ganz großen Titeln. Wenngleich man Manchester United oft für hohe Transfersummen kritisierte, blieb diese Kritik für Liverpool oft in einem viel kleineren Rahmen. Und das obwohl in Liverpool das Geld für Transfers in den vergangenen Jahren äußerst locker saß. Alleine für Reservisten wie Naby Keita, Alex Oxlade-Chamberlain oder Thiago gab der Verein zusammen 120 Millionen Euro aus. Da sind Königstransfers wie etwa die 80 Millionen für van Dijk oder 63 Millionen für Torwart Alisson noch komplett außen vorgelassen.

Talentförderer Klopp

Trotz der großen Erfolge ist es Klopp gelungen, seine Stars in Liverpool zu halten. Nur so wird man auch bei den „Reds“ eine kontinuierliche Erfolgsmannschaft haben. Doch um in Zukunft auch auf altersbedingten Änderungen im Kader reagieren zu können, versucht sich Klopp aktuell auch als Talentförderer. Neco Williams, Curtis Jones oder Rhys Williams sind etwa zum Handkuss gekommen und haben zuletzt einige Profi-Minuten bekommen. Es wird sich weisen, wohin ihre Wege führen, doch beim Rivalen aus Manchester hat man in den vergangenen Jahren zum einen gezeigt, wie man es nicht macht, und zum anderen nun auch für viele positive Beispiele aus der eigenen Jugend gesorgt.

In den Duellen der beiden Topclubs spielte stets der Heimvorteil eine große Rolle. Doch das bisher letzte Spiel fand noch vor mehr als 50.000 Fans statt. Die Karten werden diesmal also sicher neu gemischt.