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Vor dem Kellerduell gegen den FSV Mainz 05: Kann Neo-Coach Dimitrios Grammozis den Chaosclub Schalke 04 noch retten und vor dem Abstieg bewahren?

März 5, 2021

Es vergeht keine Woche, in der es auf Schalke nicht wenigstens einmal kracht. Chaos und Missstimmung gehören mittlerweile zu den Königsblauen wie das Steigerlied. Nach dem unglücklichen Intermezzo von Christian Gross darf sich nun Dimitrios Grammozis als Cheftrainer versuchen. Seine erste Aufgabe: der Abstiegsgipfel gegen Mainz 05.

Zur Winterpause holte Schalke 04 – quasi als letzter Rettungsversuch – drei bekannte Veteranen in die Mannschaft: Klaas-Jan Huntelaar, Sead Kolasinac und Shkodran Mustafi. Eben jene drei waren es auch, die vor ein paar Tagen zur Vereinsführung gingen und sich über die Arbeit von Trainer Christian Gross beschwerten. Die Trainingsmethoden des 66-Jährigen seien antiquiert, seine taktischen Anweisungen unzureichend, lauteten unter anderem die Vorwürfe des Trios. Wenig später musste Gross gehen, zusammen mit Sportvorstand Jochen Schneider. Es war ein neuerlicher Höhepunkt in diesem Schalker Chaosjahr.

Acht Punkte liegen die Königsblauen hinter einem Nichtabstiegsrang, sieben hinter dem Vorletzten Mainz 05. Gegen die 05er geht es nun an diesem Freitagabend im Abstiegsgipfel. Schalke könnte mit einem Dreier einen letzten Versuch unternehmen, doch noch ans rettende Ufer zu gelangen. Dass für diese entscheidende Partie ein neuer Cheftrainer an der Seitenlinie steht, mag sogar ein Vorteil sein.

Kompakter, intensiver Fußball als Markenzeichen

Das Spiel gegen Mainz ist die Bundesliga-Premiere für Dimitrios Grammozis. Der frühere Mittelfeldspieler des 1. FC Kaiserslautern und Hamburger SV machte mit seiner Arbeit beim SV Darmstadt 98 auf sich aufmerksam. Die Hessen schlossen die Vorsaison dank einer bockstarken Rückrunde auf Platz fünf ab. Grammozis entschied sich ob eines mageren Vertragsangebots der Vereinsführung dazu, sich auf den freien Arbeitsmarkt zu begeben. Sollte er Schalke doch noch vorm Abstieg retteten, würde ihn das direkt in eine Kategorie mit legendären Feuerwehrmännern wie Jörg Berger katapultieren.

Zumindest vom spielerischen Ansatz her könnte Grammozis der richtige Mann sein. Den Schalkern fehlt es seit Monaten an der richtigen Positionierung und den entsprechenden Laufwegen in allen Spielphasen. Grammozis steht für laufintensiven, aber zugleich gut durchdachten Fußball. Als „kompakt, gerne im 4-4-2, mit engen Abständen“ beschreibt etwa Torjäger Serdar Dursun das Spielsystem seines Ex-Trainers. Dieser machte bei seiner ersten Pressekonferenz sofort klar, dass er nun nicht von der Schalker Mannschaft erwarte, dass sie ellenlange Passstafetten zeigen und den Gegner geduldig sezieren würde.

Mehr Abstimmung vorn notwendig

Stattdessen werden wir im besten Fall einen geradlinigen Umschaltfußball sehen. Auf dem Papier hat das Schalke auch schon unter den Vorgängern Gross sowie Manuel Baum versucht. Aber die Abstimmung und das Zusammenspiel in den offensiven Zonen funktionierten nie wirklich. Wenn Spieler wie Amine Harit und Matthew Hoppe mal gute Offensivszenen kreierten, dann lag das vornehmlich an ihrem instinktiven Verständnis und nicht an ausgeklügelten Plänen, die vorher einstudiert wurden.

Ob Grammozis allerdings innerhalb weniger Tage so viel Einfluss nehmen kann, das werden erst die 90 Minuten gegen Mainz zeigen. Er wäre bei weitem nicht der Erste, der an dieser Schalker Mannschaft scheitern würde.