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Vor DFB-Pokal-Duell mit dem FC Bayern: Holstein Kiel ist in der 2. Bundesliga momentan unter den Top-Teams – sind die Störche endlich reif für die 1. Bundesliga?

Januar 12, 2021

Ganz hoch im Norden Deutschlands hat sich in den vergangenen Jahren eine Fußballfestung etabliert – ein Verein, der vielleicht klein erscheinen mag, aber sich anschickt, es mit den Großen aufzunehmen. Die Rede ist von Holstein Kiel, das am Mittwoch im DFB-Pokal auf Bayern München trifft.

Die Kieler versuchen seit nunmehr über zehn Jahren, endlich ihren Durchbruch auf der deutschlandweiten Bühne zu schaffen. Der erste Versuch scheiterte einst mit erfahrenen Spielern wie Alexander Nouri und Trainer Falko Götz an der Seitenlinie. Der Aufstieg in die 3. Liga 2009 weckte zunächst große Erwartungen, aber Kiel wurde umgehend wieder in die Viertklassigkeit befördert. Auch nach einem weiteren Aufstieg 2013 erlebte der Club ein für ihn nicht untypisches Auf und Ab. Auf einen Fast-Abstieg im ersten Drittligajahr folgte ein Scheitern in den Playoffs zur 2. Bundesliga, bevor Kiel nach einem Durchschnittsjahr endlich der Schritt nach oben gelang.

Einmal in der 2. Bundesliga angekommen, ging es direkt mit dieser Achterbahnfahrt weiter. Erst konnte Kiel die Herbstmeisterschaft unter Trainer Markus Anfang gewinnen und sich schlussendlich für die Aufstiegsrelegation qualifizieren, nur um dann am VfL Wolfsburg zu scheitern. Seit dieser Relegationsrunde 2018 ging es wieder zwei Jahre zumindest ergebnistechnisch bergab, wenngleich zunächst Tim Walter und nun Ole Werner hervorragende Aufbauarbeit geleistet haben, von denen die Mannschaft in dieser Saison augenscheinlich profitiert.

Wenig offensive Durchschlagskraft

Trotzdem bleibt bis dato unklar, ob Kiel wirklich das Zeug für die 1. Bundesliga hat. Die zwischenzeitliche Tabellenführung wurde an den Hamburger SV abgegeben und es beschleicht einen das Gefühl, dass diesem Team ähnlich wie einst dem hochgepriesenen Team unter Walter 2018/19 vielleicht die notwendige Stabilität und auch Durchschlagskraft fehlt. So taktisch sauber Kiel im von Werner präferierten 4-1-4-1 auch arbeitet, die Mannschaft generiert die zweitwenigsten Schüsse und drittwenigsten Torschüsse aller Zweitligisten.

Gleichzeitig schafft es Kiel trotz guter defensiver Staffelungen zu selten, den Spielfluss des Gegners zu unterbrechen. Insgesamt macht das Team wenig grobe Fehler, aber kann in entscheidenden Momenten zum Teil nicht richtig zupacken – sei es nun mit Ballgewinnen oder auch hochkarätigen Torschüssen. Werner steht allerdings vor dem Dilemma, dass er ein an sich funktionierendes Gebilde nicht aufgrund solcher kleinerer Schwächen umkrempeln sollte.

Taktisch gut, individuell durchschnittlich

Ein Stolperstein auf dem Weg zum Aufstieg wird sehr wahrscheinlich die individuelle Qualität der Mannschaft sein. So sauber Kiel insgesamt auch spielen mag, andere Zweitligisten – darunter auch unmittelbare Verfolger wie Greuther Fürth und Fortuna Düsseldorf – verfügen in Gänze über mehr außergewöhnliche Fußballer, die in knappen Partien allein aufgrund ihrer individuellen Fähigkeiten den Unterschied ausmachen können.

Im DFB-Pokalspiel gegen den übermächtigen Bayern München könnte sich diese Diskrepanz zwischen taktischer Brillanz und individueller Durchschnittlichkeit bemerkbar machen. Kiel könnte den Bayern für einige Zeit das Leben schwer machen, sie in den richtigen Momenten attackieren und vielleicht auch auskontern, aber wird am Ende wohl doch wieder an einem in diesem Fall individuell hochüberlegenen Gegner scheitern.