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Warum in Österreichs Fußballer auch heuer wieder alle die Bullen jagen

September 11, 2020März 12th, 2021

Das verflixte siebte Mal? Von wegen. Auch im Vorjahr holte sich Red Bull Salzburg den Titel in der österreichischen Bundesliga. Zum – richtig – siebten Mal in Folge. Dabei war nach den 22 Runden des Grunddurchgangs mit dem LASK das Team von Coach Valerien Ismael (einst Trainer in Wolfsburg und Nürnberg) an der Tabellenspitze gestanden.

Doch dann kam Corona. Und ehe es im Playoff der besten sechs Teams um die Titelentscheidung ging, schoss sich der LASK selbst ins Out, indem er bei unerlaubten Trainings mit Körperkontakt erwischt wurde. Die Folge: Punkteabzug und Geldstrafe. Und eine mental gebrochene Mannschaft, die es schließlich nur auf Rang vier schaffte. Und doch gilt auch in der Saison 2020/21, die dieses Wochenende startet: der LASK wird der ernstzunehmendste Gegner der Salzburger werden. Aber auch bei Dorfklub Wolfsberger AC und Rekordmeister Rapid Wien zeigen die Leistungs- und Entwicklungskurve steil nach oben in den vergangenen Monaten. Wir haben den Überblick über die vier Titelkandidaten in Österreich:

Red Bull Salzburg

Dominik Szoboszlai und Patson Daka. Merkt euch diese Namen. Es gibt viele Spieler aus der Talenteschmiede der Bullen, denen eine große Zukunft vorausgesagt wird. Aber vor allem bei Mittelfeldregisseur Szoboszlai und Goalgetter Daka standen schon diesen Sommer die Großklubs Europas Schlange. Sie werden die nächsten sein, die wie Naby Keita, Sadio Mane (jeweils Liverpool) oder Marcel Sabitzer (RB Leipzig) von Salzburg aus den Sprung in Europas Spitzenfußball schaffen. Und die beiden sind nur ein Bruchteil der großen Qualität, die Trainer Jesse Marsch (Ex-Leipzig) unter seinen Fittichen weiß. Salzburg muss eigentlich Meister werden – und ist der große Favorit.

LASK

Die Linzer haben sich nach der Corona-Trainingsaffäre von Trainer Valerien Ismael getrennt und mit Dominik Thalhammer so etwas wie den personifizierten österreichischen Konzepttrainer vom Österreichischen Fußballverband losgeeist. Thalhammer führte das österreichische Frauennationalteam in ungeahnte Sphären (Endrunden-Teilnahmen) und will jetzt beim LASK beweisen, dass ihn der Nationalverband 2016 nicht umsonst zum Leiter der Trainerausbildung des Landes bestellt hat. Mit Alexander Schlager (nicht verwandt mit dem Wolfsburger Xaver) steht beim LASK die neue Nummer eins des österreichischen Nationalteams unter Vertrag und im Angriff soll Ex-Wolfsburger Mamadou Karamoko im Profifußball ankommen. Die vergangenen beiden Saisonen spielte an Karamokos Stelle Hoffenheim-Leihe Joao Klauss erfolgreich den Stoßstürmer der Linzer – und hat sich für die Kraichauer empfohlen.

Wolfsberger AC

Gerade einmal 25.000 Einwohner hat der Ort Wolfsberg im Kärntner Lavanttal. Das Bundesland, das in Deutschland vor allem dank schöner Seen ein Begriff ist, ist alles andere als Fußballregion. Doch der kleine WAC mischt seit einiger Zeit den österreichischen Fußball auf. Spätestens seit die Wölfe in der Europa League-Gruppenphase Borussia Mönchengladbach mit 4:0 aus dem eigenen Stadion schoss, wusste man auch in Europa, dass dort gut gekickt wird. Mit Michael Liendl (Ex-Düsseldorf und 1860 München) zieht ein ehemaliger Deutschland-Legionär die Fäden im Mittelfeld der Kärntner. Und soll heuer Leihspieler Dejan Joveljic (Eintracht Frankfurt) mit Bällen füttern.

Rapid Wien

Der Klub aus der Hauptstadt weiß die größte Fanbasis hinter sich. Mit Trainer Dietmar Kühbauer (als Spieler zwischen 2000 und 2002 bei Wolfsburg unter Vertrag) konnten sich die Grün-Weißen zuletzt rehabilitieren und wurden im Vorjahr erstmals seit 2016 zumindest wieder Vizemeister hinter Salzburg. Dennoch wartet man beim österreichischen Rekordmeister schon seit zwölf Jahren auf den Gewinn der Meisterschaft – damals übrigens unter Peter Pacult (Ex-1860 München-Coach). Mit Kapitän Stefan Schwab (jetzt PAOK Saloniki) verlor man einen wichtigen Spieler, Topscorer Taxi Fountas blieb ihnen erhalten, weil der VfB Stuttgart wohl coronabedingt das Kleingeld fehlte. Die fehlenden Zuschauer im Stadion sind ein Nachteil für den Fanmagneten, aber dem Verein ist immer etwas zuzutrauen.