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Welcher Transfer schlägt sofort ein? Funktioniert die Frankfurter Offensive weiter wie geschmiert? Und wie kräfteraubend waren die Pokalfights für Leverkusen und Dortmund?

February 5, 2021

Der FC Bayern darf den Champagner schon wieder langsam einkühlen, bereits sieben Punkte Vorsprung hat man auf den ersten Verfolger Leipzig. Doch im Kampf um den Europacup geht es so eng her, wie lange nicht. Zwischen Rang drei und acht liegen gerade einmal sechs Zähler. Im Abstiegskampf steht Mainz und Schalke das Wasser bis zum Hals. Der 20. Spieltag bringt wieder Spannung in die Bundesliga. Wir stellen die wichtigsten Fragen zur aktuellen Runde.

Welcher Last-Minute-Neuzugang schlägt sofort ein?

Es war ein turbulenter Deadline Day in so manchem Bundesliga-Büro. Bis kurz vor Mitternacht wurde noch verhandelt, dann standen die Kader für die zweite Saisonhälfte fest. Einige namhafte Spieler fanden den Weg zurück in die heimische Liga. Die zwei bekanntesten Neuzugänge präsentierten wohl Hertha BSC und Schalke 04 – die Berliner gaben die Verpflichtung von Sami Khedira von Juventus Turin bekannt. Die Königsblauen holten Shkodran Mustafi nach Gelsenkirchen, gaben allerdings gleichzeitig Ozan Kabak an Liverpool ab. Die beiden Routiniers können ihren neuen Klubs wohl schnell weiterhelfen, jedoch fehlte beiden zuletzt Spielpraxis. Mustafi kam bisher auf neun Saisoneinsätze, Khedira zu keinem einzigen. Neben Khedira verstärkt auch der serbische Nationalteamspieler Nemanja Radonjic die Offensive des Hauptstadtklubs. Der 24-Jährige kommt vorläufig bis Saisonende.

Doch auch andere Klubs verstärkten sich in den letzten Stunden: Arminia Bielefeld reagierte offensichtlich auf die Probleme im Offensivspiel – Michel Vlap kam vom RSC Anderlecht und Masaya Okugawa von RB Salzburg. Beide Spieler wechseln jedoch nur auf Leihbasis zum Aufsteiger. Nichtsdestotrotz könnten beide trotz jungen Alters sofort helfen. Okugawa kam bei den Mozartstädtern bisher auf 14 Saisoneinsätze und traf dabei drei Mal. Vlap kam nach seiner Corona-Erkrankung zu Saisonbeginn auf 11 Einsätze und ein Tor. Union Berlin wurde ebenfalls aktiv – der kroatischen Stürmer Petar Musa wurde von Slavia Prag ausgeliehen. Der achtmalige Juniorennationalspieler spielte seit einem Jahr in Prag und erzielte in 35 Partien elf Treffer. Musa ist nach Leon Dajaku vom FC Bayern München der zweite Neuzugang bei Union im Winter-Transferfenster. Leverkusen hat indes Linksaußen Demarai Gray von Leicester City verpflichtet. Der 24-Jährige war ein wahres Schnäppchen – gerade einmal zwei Millionen Euro überwiesen die Leverkusener nach Leicester, bei einem Marktwert von 12 Millionen. Gray gilt als Offensivallrounder, Spielpraxis konnte er heuer kaum sammeln, ob er sofort helfen kann, darf bezweifelt werden.

Wie viel Kraft kosteten die Pokalspiele Leverkusen und Dortmund?

Es war die Sensation des bisherigen Kalenderjahres: Rot-Weiß Essen eliminierte Bayer Leverkusen im Pokal-Achtelfinale mit 2:1. Über 90 Minuten spielte man nur auf das Tor des Außenseiters, doch der Ball wollte einfach nicht ins Tor. In der Verlängerung ging die Werkself verdient in Führung, die Blamage war beinahe abgewendet. Doch der Viertligist gab nicht auf und drehte den Spieß um. Damit steht Essen im Viertelfinale. Beinahe wäre dem BVB gegen den SC Paderborn auch ein Missgeschick passiert – der Pokalabend in Dortmund sorgte jedenfalls für einige Diskussionen. Anfangs sah es eindeutig aus, Viertelstunde gespielt, 2:0 BVB. Doch der klare Favorit verabsäumte es nachzulegen. In der Nachspielzeit hätte Haaland beinahe auf 3:1 gestellt, postwendend gab es dann Elfmeter für Paderborn – Ausgleich. Dann folgte die Szene, die noch in Erinnerung bleiben wird. Haaland wird in die Tiefe geschickt, läuft allein auf das Tor des SCP zu und schiebt souverän ein. Eigentlich startete der Norweger aus Abseitsposition, doch weil ein Paderborner Bein den Ball minimal abgefälscht haben soll, bevor er den Stürmer erreichte, gab Schiedsrichter Tobias Stieler den Treffer. Dortmund gewann mit 3:2.

Es war ein langer Abend für die beiden Bundesligisten. Einigen Spielern war die Erschöpfung anzusehen. Jadon Sancho im Dress des BVB etwa klappte in der Verlängerung zusammen und musste beim Verlassen des Feldes gestützt werden. Es war ein Abend, der definitiv Spuren hinterlassen hat. Dortmund muss am Samstag nach Freiburg, Leverkusen empfängt den VfB Stuttgart, definitiv keine leichten Aufgaben. Der VfB schied gegen Mönchengladbach im Gegensatz zu Leverkusen bereits nach 90 Minuten aus dem Pokal aus.

Kann Schalke überhaupt gegen Top-7-Mannschaften punkten?

Das Transferfenster ist zu, im Pokal ist man raus, nun kann man sich in Gelsenkirchen wieder dem Abstiegskampf widmen, Feuerwehrmann gegen den Abstieg ist nur einer zu den Schalkern gekommen – Shkodran Mustafi. Vielleicht plant man doch schon für die zweite Liga. Sollte dem nicht so sein muss man nach dem Unentschieden gegen Bremen am vergangenen Wochenende unbedingt nachlegen. Blöd nur, dass ausgerechnet RB Leipzig, nach dem Sieg im Pokal gegen Bochum, vor der Türe steht. Die letzten beiden Duelle mit den Sachsen waren fatal – vor knapp einem Jahr musste man sich zuhause mit 0:5 geschlagen geben. Anfang Oktober setzte es eine 0:4-Niederlage in Leipzig. Und die Mannen von Julian Nagelsmann sind nicht die einzigen unbeliebten Gegner bei den Königsblauen: Gegen die aktuellen Top-7-Teams der Liga holte Schalke 04 in dieser Saison noch keinen Punkt. Mit Leipzig kommt der derzeitige Zweite. Schlimmer noch: In acht Spielen gegen die momentanen Top 7 gelangen den Schalkern nur zwei Treffer – bei 31 Gegentoren(!). Die Voraussetzungen könnten also definitiv besser sein.

Funktioniert die Frankfurter Tormaschine weiter wie geschmiert?

Es macht richtig Spaß, was die Elf von Adi Hütter derzeit auf dem Platz veranstaltet. Die Eintracht ist seit acht Bundesliga-Partien ungeschlagen, feierte sechs Siege in den letzten sieben Spielen. Eine Serie, die so kein anderes Team der Liga momentan vorweisen kann. Im Kalenderjahr 2021 holten die Hessen 16 von 18 möglichen Punkten, so viele wie kein anderer Bundesligist. Obwohl man in den letzten beiden Runden, Bielefeld und Hertha BSC, jeweils einen Treffer kassierte, gewann man dennoch souverän. Die Offensive rennt einfach. Andre Silva ist in Überform – seit dem Jahreswechsel erzielte der Portugiese sieben Treffer in sechs Partien. Luka Jovic ist wohl der edelste Joker, den es in der Bundesliga seit langem gab und auch andere Akteure zeigen sich wieder gefährlich. Innenverteidiger Martin Hinteregger etwa war überglücklich, als er gegen Hertha den 2:1-Führungstreffer erzielte. Es war sein erster Treffer in der aktuellen Spielzeit, nachdem er letzte Saison noch acht Liga-Tore erzielte. Am Sonntag reist Adi Hütter mit seinem Team nach Hoffenheim. Nach den bisherigen Leistungen im Kalenderjahr 2021 ist Frankfurt als Favorit zu bezeichnen, auch wenn die TSG zwei der letzten drei Spiele gewinnen konnte.

Kommt Union Berlin gegen Mainz wieder in die Spur?

Was haben die Eisernen bisher nicht eine fantastische Saison gespielt. Nach dem Sieg über Leverkusen am 16. Spieltag lag man auf Rang fünf, nur einen Punkt hinter Platz drei. Doch die Serie riss, als man sich in Leipzig knapp mit 1:0 geschlagen geben musste. Danach folgte die überraschende Niederlage in Augsburg. Gegen Borussia Mönchengladbach holte man vergangenes Wochenende ein Unentschieden. Nun liegt man nur mehr auf Rang acht. Nichtsdestotrotz ist im Kampf um Europa noch alles offen. Auf einen Champions-League-Platz fehlen nur vier Zähler. Mit Mainz kommt ein Gegner, mit dem man wieder in die Spur finden kann. Die 05er sind das zweitschwächste Heimteam der Bundesliga und das Hinspiel entschieden die Eisernen mit 4:0 klar für sich. Eine Woche nach dem Duell mit Mainz kommt Schalke zu Besuch in die Hauptstadt – gut möglich, dass es im Südosten Berlins nun wieder Punkte regnet.