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Wer holt sich die Champions-League?

August 21, 2020März 12th, 2021

Die Torhüter:

Sieht man sich die beiden Schlussmänner an, haben die Bayern einen klaren Vorteil – mit Manuel Neuer steht einer der besten Keeper der Welt zwischen den Pfosten. Der 34-Jährige gewann bereits 2013 mit den Bayern die Champions League und 2014 wurde er mit dem Nationalteam Weltmeister – somit ist Neuer bereits endspielerprobt. Wer das Tor von PSG hüten wird, steht wohl noch nicht fest – Keylor Navas und Sergio Rico sind die möglichen Kandidaten. Navas – eigentlich Einsergoalie – konnte aufgrund einer Verletzung nicht gegen RB Leipzig antreten, ob es für einen Einsatz im Finale reicht, will Trainer Thomas Tuchel erst kurzfristig entscheiden. Sein Ersatzmann Rico blieb zwar im Halbfinale ohne Gegentor, aufgrund mangelnder Spielpraxis schien er jedoch nicht zu 100% gefestigt. Endspielerfahrung hat der 26-jährige Spanier allerdings schon – mit dem FC Sevilla gewann er 2015 die Europa League.

Die Abwehr:

Die Pariser Defensive dürfte wie im Halbfinale aufgestellt sein: Bernat – Kimpembe – Silva – Kehrer. Bei den Bayern ist zumindest der Posten des Rechtsverteidigers noch offen, denn Benjamin Pavard ist nach seiner Verletzung wieder zurück und könnte statt Joshua Kimmich die rechte Abwehrseite übernehmen. Auch wenn der Franzose noch kein Spiel nach seiner Rückkehr absolviert hat, könnte dies ein Vorteil sein, zumal Pavard in puncto Tempo besser mit den schnellen Offensivspielern mithalten kann. Im Bereich der Außenverteidiger sind die Bayern leicht im Vorteil: Alphonso Davies ist in absoluter Topform und kann mit seiner Schnelligkeit sowohl offensiv als auch defensiv entscheidend sein. Juan Bernat auf Seiten der Pariser hat zwar noch eine Rechnung mit den Bayern offen, kann aber nicht mit den Leistungen des jungen Kanadiers mithalten. Thilo Kehrer auf der linken Seite macht seine Sache gut und hat sich nach schwieriger Anfangsphase unter Tuchel einen Stammplatz erkämpft.

In der Innenverteidigung ist es schwer klare Vorteile auszumachen. David Alaba, von vielen hochgelobt, blieb trotz starker Leistungen auch nicht fehlerfrei und gegen Kylian Mbappé kommt auch der Österreicher wohl nicht mit. Zudem erklärte der Defensivallrounder zwar nicht von den intensiven Vertragsverhandlungen abgelenkt zu sein, irgendwo im Hinterkopf könnte es dennoch sein. Neben ihm ist mit Jerome Boateng ein souveräner Defensivmann, der aber auch kaum mit Schnelligkeit punkten kann. Möglicherweise sehen wir auch eine Rückkehr von Niklas Süle, denn Boateng musste gegen Lyon bereits zur Pause angeschlagen raus. Tuchels Innenverteidigung heißt im Grunde Thiago Silva – der 35-jährige Brasilianer wird am Sonntag nach acht Jahren sein letztes Spiel für PSG machen und will dies natürlich mit dem Titel krönen. Silva überzeugt mit Erfahrung, die er seit Jahren versucht Presnel Kimpembe weiterzugeben, der 25-jährige Franzose ist aber nicht immer sattelfest und wird bei starkem Pressing schnell nervös.

Das Mittelfeld:

Einen Vergleich im Mittelfeld zu ziehen, ist nicht ganz einfach, denn während die Bayern in einem 4-2-3-1-System auflaufen, spielen die Pariser ein 4-3-3. Dennoch muss man dem FCB Vorteile zusprechen, gerade in der Offensive. Denn Tuchel baut in wichtigen Spielen stets mit Marquinhos auf einen gelernten Verteidiger auf der Sechs. Der 26-Jährige gilt dennoch als absoluter Gefahrenherd, gerade bei Standards ist der nur 1,83 große Defensivmann eine Macht. Der wichtige Mann im Mittelfeld des Scheich-Klubs heißt eigentlich Marco Verratti, doch der Italiener fiel aufgrund einer Wadenverletzung aus, möglicherweise kehrt er im Finale in die Startelf zurück. Neben Marquinhos spielten zuletzt Paredes und Herrera, die zwar solide sind aber bei weitem nicht zur europäischen Spitzenklasse zählen.

Ganz im Gegenteil zu den Bayern. Egal ob Kimmich auf die Sechs rückt, oder Thiago die Position neben Goretzka besetzt, alle drei gehören zu den besten Mittelfeldspielern Europas. Gerade Goretzka entwickelte sich in dieser Spielzeit enorm, bewegt sich viel, geht immer wieder in die Tiefe und ist torgefährlich. Für Thiago ist es wohl das letzte Spiel im Dress der Bayern, wo er nochmal alles zeigen und den Titel holen will. Auf der Zehn steht nominell Thomas Müller, der unter Hansi Flick wieder zu alter Stärke zurückfand und immer für Torgefahr sorgen kann. Für den Weltmeister ist es bereits das vierte Finale in der Königsliga nach 2010, 2012 und 2013.

Der Angriff:

Paris hat den teuersten Sturm der Welt – Neymar und Mbappé kosteten Paris SG zusammen geschätzte 400 Millionen Euro. Dazu kommt mit Angel Di Maria ein erfahrener Mann, der ständig Gefahr ausstrahlt. Gegen RB Leipzig war der Argentinier der entscheidende Mann, bereitete zwei Tore vor und machte eines selbst. Spannend bis heute wirkt die Verpflichtung von Choupo-Moting, doch der Ex-Hamburger trainierte gerade in der langen Pause extrem hart und das macht sich nun bezahlt. In einem umkämpfenden Spiel gegen Atalanta Bergamo im Viertelfinale kam der 31-Jährige in Minute 79, leitete den Ausgleich ein und machte schlussendlich den Siegtreffer. Neymar gab seinen Award zum Man of the Match sogar an Choupo-Moting weiter.

Trotz der starken Pariser Offensive muss sich der Angriff der Bayern keinesfalls verstecken. Robert Lewandowski und Serge Gnabry befinden sich beide in absoluter Topform, gemeinsam knackten sie den Rekord des besten Angreiferduos in der Champions League –die beiden halten nun bei 24 Toren. Dazu kommt mit Ivan Perisic ein starker Routinier, der gerade gegen den FC Barcelona aufzeigte. Was die Münchner stark macht, ist das variable Spiel in der Offensive, nicht nur dass die beiden Flügel immer wieder tauschen, auch Einwechselspieler können stets den Unterschied machen. Kingsley Coman und Philippe Coutinho darf man getrost zur Kategorie Edeljoker zählen.

Die letzten beiden Duelle der beiden Teams in der Gruppenphase der Champions League 2017 brachten keinen klaren Sieger hervor – sowohl PSG als auch die Bayern konnten das Heimspiel für dich entscheiden.