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Lampard vs. Klopp entwickelt sich zum ersten Trainerduell der Premier League seit über einem Jahrzehnt

September 16, 2020März 12th, 2021

Jürgen Klopp sollte in dieser Weihnachtszeit wahrscheinlich keine Post von der Stamford Bridge erwarten. Der Liverpooler Trainer hat den englischen Fußball mit seinem einnehmenden Lächeln und seiner Leidenschaft an der Seitenlinie verzaubert, aber Frank Lampard gehört anscheinend nicht zu den größten Fans des Deutschen. Tatsächlich war diese Leidenschaft der Grund, weshalb die beiden Trainer gegen Ende der letzten Saison in Anfield in einen verbalen Schlagabtausch gerieten.

Die Feindseligkeit hat sich auch auf die neue Saison übertragen, denn Klopp ließ es sich nicht nehmen, gegen Chelsea wegen ihrer Sommerausgaben auszuteilen. „Wir leben im Moment in einer Welt großer Unsicherheit”, erklärte der Cheftrainer der Reds. „Für einige Vereine scheint es weniger wichtig zu sein, wie ungewiss die Zukunft ist – sie sind im Besitz von Ländern, im Besitz von Oligarchen, das ist die Wahrheit.”

Falls Klopp sich eine Reaktion erhoffte, so bekam er sie von Lampard, der auf das viele Geld verwies, das Liverpool in den letzten Jahren ausgegeben hat. „Gehen Sie die Liverpooler Spieler durch: [Virgil] van Dijk, Alisson, Fabinho, [Naby] Keïta, [Sadio] Mane, [Mohamed] Salah”, sagte der Blues-Chef. „Unglaubliche Spieler, die zu einem sehr hohen Preis kamen. Liverpool hat es über einen langen Zeitraum so gemacht.”

Es ist schon eine Weile her, dass es zwischen zwei Trainern an der Spitze der Premier League dieses Niveau der Feindseligkeit gab. Das individuelle Duell zwischen Sir Alex Ferguson und Arsene Wenger definierte eine ganze Ära des englischen Spiels. Jose Mourinho verstärkte dann die Reibungskräfte zwischen drei eigenwilligen Figuren, die keine Angst hatten, ihre Meinung zu sagen.

Frank Lampard entgegnete auf Jürgen Klopps Kommentare zu Chelseas Ausgaben: „Ich war weniger verärgert darüber. Ich fand es eigentlich eher amüsant. Es macht keinen Sinn nachzurechnen. Wir alle wissen, dass Liverpool auf hohem Niveau investiert hat. Sie haben riesige Summen ausgegeben.” #LFC #CFC pic.twitter.com/yPKZ6yzUgG

– Kevin Palmer (@RealKevinPalmer) 13. September 2020

Viele haben erwartet, dass Pep Guardiola und Mourinho ihre Rivalität, die sie schon in Spanien pflegten, fortsetzen würden, nachdem sie gleichzeitig in Manchester anfingen, aber die beiden Trainer gingen sich weitgehend aus dem Weg. Auch wenn Liverpool und Manchester City in den letzten beiden Spielzeiten direkt gegeneinander um den Titel gekämpft haben, sind Guardiola und Klopp immer respektvoll miteinander umgegangen. Es gab keine Psychospielchen, keine Gedankentricks auf Pressekonferenzen und schon gar keine Faustschläge an der Seitenlinie.

Auf den ersten Blick herrscht zwischen Klopp und Lampard nicht viel Respekt, besonders im Fall des letzteren gegenüber dem ersteren. Das Duell zwischen Chelsea und Liverpool an diesem Wochenende an der Stamford Bridge wird zeigen, wie tief die Feindseligkeit tatsächlich geht und ob sich hier das erste echte Trainerduell der Premier League seit vielen Jahren entwickelt.

Aber das ist noch nicht alles, was uns das Spiel am Sonntag zeigen wird. Liverpool konnte erfolgreich in die Mission Titelverteidigung starten, aber Leeds United hat auch Schwächen in Klopps Mannschaft entlarvt, sodass die Reds bereits erste Fragen beantworten mussten. Spieler wie Andy Robertson und Virgil Van Dijk müssen ihre Leistung deutlich steigern, sonst kann Chelsea echten Schaden verursachen.

Für die Männer von Lampard ist dieses Wochenende ein erster Gradmesser, um zu beurteilen, wo sie sich in ihrer Entwicklung befinden. Kann Chelsea in dieser Saison um den Titel in der Premier League mitkämpfen? Sonntagabend werden wir deutlich mehr Fakten haben, um eine Antwort auf diese Frage zu finden. Ein Sieg und eine positive Leistung würden ein deutliches Zeichen setzen und den Blues echten Schwung verleihen.

Der Sieg am Montagabend gegen Brighton hat Lampard Ermutigung verschafft. Obwohl die Darbietung alles andere als perfekt war, haben die Leistungen der Neuverpflichtungen wie Kai Havertz und Timo Werner sowie Reece James angedeutet, dass Chelsea auf der richtigen Spur ist. Auch wenn sie nicht in Bestform waren, haben die Blues einen Weg gefunden, am Ende zu gewinnen. Das ist es, was gute Teams ausmacht.

Liverpool hat dieses Kunststück in der letzten Saison mehrmals geschafft. Chelsea kann viel von dem lernen, was Klopp und seine Spieler in den letzten Jahren richtig gemacht haben. In vielerlei Hinsicht haben die Reds die Vorlage für das geschaffen, was von Lampard jetzt an der Stamford Bridge erwartet wird. Jedoch sollte Klopp keine höflichen Bitten um Rat erwarten.