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Manchester City setzt auf Legionäre aus Deutschland – den Anfang machte ein Kriegsgefangener, der zur Legende wurde

Dezember 12, 2020März 12th, 2021

Kaum ein Verein in England kann auf eine derart lange Liste von deutschen Legionären verweisen, wie Manchester City. Selbst der beste Spieler der Vereinsgeschichte ist ein Deutscher.

Die Liebesgeschichte von Manchester City und Legionären aus Deutschland begann mit einem Krieg, dem zweiten Weltkrieg. Und Bert (eigentlich Bernhard) Trautmann. Der Wehrmachts-Soldat wurde 1945 als 21-Jähriger gefangen genommen und in einem Lager in Großbritannien untergebracht. In der Jugend noch als Offensivspieler unterwegs, entdeckte er beim Kicken im Lager das Torwart-sein für sich.

Während andere Gefangene nach Deutschland heimkehrten, blieb Trautmann in England. Und begann neben seinem Beruf als Kampfmittelbeseitiger beim Amateurklub St. Helens Town FC seine Fußballer-Karriere auf der Insel. Nach Trautmanns Glanzleistungen waren schon nach seinem ersten Jahr für St. Helens zahlreiche Erstligisten hinter ihm her und er wechselte schließlich zu Manchester City.

Doch der Stand für einen Deutschen in England nach dem Krieg war naturgemäß hart. Es gab gar Demonstrationen gegen seine Verpflichtung. Doch mit seinen Leistungen erspielte er sich nicht nur den Respekt der Fans – selbst der gegnerischen – sondern auch den Platz im Tor der ersten Mannschaft der Citizens.

In einer der großen Geschichten des englischen Fußballs spielt Trautmann die Hauptrolle. Der Keeper brach sich im FA-Cup-Finale gegen Birmingham den zweiten Halswirbel, spielte aber dennoch zu Ende und holte den Titel. Später verriet er: „Hätte ich in diesem Spiel gewusst, wie schwer meine Verletzung wirklich ist, wäre ich sofort rausgegangen. Ich wollte doch weiterleben.“

1964, nach über 500 Spielen für die Skyblues, beendete Trautmann seine große Karriere und wurde 2007 gar zum besten Spieler der Vereinsgeschichte gewählt.

Weniger spektakulär waren die Karrieren vieler anderer Deutscher bei Manchester City. Steffen Karl spielte etwa nur wenige Monate bei den Citizens. Andere wiederum waren erfolgreich und beliebt.

Uwe Rösler war etwa vier Jahre lang bei den Skyblues und wurde 1994/95 auch zum Spieler der Saison gewählt. Eike Immel setzte die Tradition von Trautmann als deutscher Keeper bei City fort. Aber nur zwei Jahre lang. Er kam 1995 als 35-Jähriger und beendet 1997 bei Manchester City seine Karriere.

Nach der Jahrtausendwende spielte etwa Michael Tarnat 41 Mal für die Citizens, Didi Hamann sammelte von 2006 bis 2009 71 Einsätze und Jerome Boateng 24 Spiele in der Saison 2010/11.

Mit Loris Karius wechselte 2009 wieder einmal ein deutscher Keeper zu Manchester City. Nach einer vorangegangenen Leihe wechselte er Torhüter im Januar 2012 fix zu Mainz. In der ersten Mannschaft Citys kam Karius nie zum Einsatz.

Um 52 Millionen Euro wechselte Leroy Sane 2016 von Schalke zu Manchester City und avancierte zum besten deutschen Scorer im Trikot der Citizens. In 135 Spielen traf er 39 Mal und bereitete 45 weitere Tore vor, ehe er im vergangenen Sommer zum FC Bayern wechselte.

Nach Sanes Abgang steht aktuell nur mehr ein Deutscher im Kader von Pep Guardiola: Ilkay Gündogan. Der 30-Jährige ist seit 2016 ein Citizen und absolvierte seitdem 175 Spiele für den Klub. Heuer waren es bislang elf in denen er auch bereits zwei Tore erzielen konnte. Und es werden wohl noch einige dazukommen – Spiele und Tore.