Internationaler Fussball

Afrika-Cup 2022: Das Turnier, das Vereine und Spieler spaltet

Januar 5, 2022

Ab Sonntag steigt in Kamerun die 33. Auflage des Afrika-Cups. Doch während Stars wie Mo Salah oder Sebastian Haller mit Stolz für ihre Länder antreten, sind Vereinsverantwortliche alles andere als glücklich über die Austragung des Turniers.

Auftakt am 9. Januar

Der Nationalteamfußball erfreut sich gerade in Zeiten immer dichter werdender Spielpläne keiner großen Beliebtheit unter den Topklubs der Welt. Neben den ohnehin schon wenig beliebten Abstellungen für Länderspiele ist der alle zwei Jahre stattfindende Afrika-Cup dem europäischen Klubfußball ein besonderer Dorn im Auge. Vor allem in der Premier League, in der über Weihnachten und Silvester durchgespielt wird, führt die zusätzliche Belastung zu viel Unmut. Wenn am 9. Januar Gastgeber Kamerun zum Auftakt des Afrika-Cup 2022 auf Burkina Faso trifft, fällt daher der Startschuss zu einem Turnier, das ein paar der aktuell wohl besten Spieler der Welt und ihre Vereine spaltet.

 

Haller: „Mangel an Respekt für Afrika“

Die Diskussionen begannen schon vor einigen Wochen, als Liverpool-Coach Jürgen Klopp das Turnier in einer Pressekonferenz als „Katastrophe“ bezeichnete, müsse er dadurch doch wochenlang auf Leistungsträger wie Sadio Mane oder Mo Salah verzichten. Das Turnier, das in Afrika denselben Stellenwert genießt wie die EURO in Europa, ist am europäischen Kontinent kein wesentliches Ereignis im Fußballkalender – und wird daher auch medial wenig beachtet. Nachdem das Turnier 2021 aufgrund der Pandemie abgesagt wurde, wird auch 2022 Corona als Sicherheitsrisiko ins Treffen geführt. „Wir sind natürlich wegen der Pandemie in Sorge um unsere Spieler“, sagte etwa Leverkusens Rudi Völler in der „Bild“. „Keiner kann aktuell einschätzen, wie sich die Lage entwickelt. Wir können nur hoffen, dass alles gut geht.“ Und spricht damit über seine Schützlinge Edmond Tapsoba (Burkina Faso) sowie Odilon Kossounou (Elfenbeinküste). Doch die Misstöne rund um den Afrika-Cup, der 2022 nach 50 Jahren wieder nach Kamerun zurückkehrt, wird gerade von den teilnehmenden Spielern stark kritisiert. Ex-Frankfurt-Goalgetter Sebastian Haller, der für die Elfenbeinküste im Einsatz ist, und aktuell bei Ajax Amsterdam unter Vertrag steht, sprach in der niederländischen Zeitung „De Telegraaf“ von „Mangel an Respekt für Afrika“. Immerhin sei er mit Fragen konfrontiert, ob er nicht lieber in den Niederlanden bleiben würde, als in Kamerun anzutreten. Haller stellt die Gegenfrage: „Würde diese Frage jemals einem europäischen Spieler vor den Europameisterschaften gestellt werden?“ Auch Patrick Vieira, Manager von Crystal Palace und selbst Welt- und Europameister mit Frankreich, stellte fest: „Ich glaube, dass der Wettbewerb mehr respektiert werden muss. Denn dieser Wettbewerb ist genauso wichtig wie die Europameisterschaften.“

 

Auflauf der Stars: Salah, Mane, Bensebaini, Choupo-Moting uvm.

Noch drastischer drückte es der englische Ex-Teamspieler Ian Wright aus. „Die Berichterstattung ist völlig von Rassismus geprägt“, sagt er der BBC. So meinte er angesichts der Corona-Bedenken: „Die Europäer haben ihre EM in zehn Ländern gespielt. Aber Kamerun als einziger Gastgeber soll jetzt ein Problem sein?“ Und sagte weiter: „Viele der derzeit besten Spieler in Europa sind Afrikaner. Wenn wir sie auf Vereinsebene lieben, warum können wir sie nicht auf internationaler Ebene lieben wie ihre Kollegen auf der ganzen Welt? Warum bekommt dieses Turnier ständig so viel Kritik?“ Die Liste der Spieler, die bis Anfang Februar um den Titel kämpfen, zählen tatsächlich zweifelsohne zum Besten, was der Fußball aktuell zu bieten hat. Neben den angesprochen Salah und Mane (beide Liverpool) sowie Haller (Ajax), sind Milans Franck Kessie (Elfenbeinküste), Chelsea-Keeper Edouard Mendy (Senegal) oder der Riyad Mahrez (Manchester City, mit Titelverteidiger Algerien) im Einsatz. Neben Leverkusen stellen auch andere deutsche Klubs Spieler ab: Die Bayern-Akteure Bouna Sarr (Senegal) und Eric-Maxim Choupo-Moting (Kamerun) werden etwa ebenso auflaufen wie Taiwo Awoniyi (Union Berlin, Nigeria) und Ramy Bensebaini (Gladbach, Algerien) oder Diadie Samassekou (Hoffenheim, Mali), um nur einige Bundesligastars zu nennen.