Internationaler Fussball

Deutschland gegen Rumänien: Neugewonnene Dominanz beibehalten

Oktober 7, 2021

Hansi Flick hätte sich fast keinen besseren Start in seine Amtszeit als deutscher Bundestrainer wünschen können. Mit Rumänien wartet die nächste knifflige, aber machbare Aufgabe auf den 56-Jährigen und die Nationalmannschaft.

Bielefeld-Trainer Frank Kramer sagte kürzlich, dass Hansi Flick ihn und seine Bundesliga-Kollegen dazu ermutigt hätte, Anregungen für die spielerische Ausrichtung der Nationalmannschaft zu liefern. Obwohl Arminia Bielefeld momentan keinen Nationalspieler stellt, bleibt Kramer deshalb nicht außen vor. Flick möchte als Bundestrainer einen neuen Führungsstil etablieren – vorbei scheinen die Zeiten der Löw’schen Unnahbarkeit.

Flick ist jedoch nicht nur ein guter PR-Stratege, sondern weiß eben auch, dass der Input von Kolleginnen und Kollegen ihm selbst nur guttun kann. Trotz seiner Erfolge in den vergangenen Jahren schwebt der Badener nun nicht über den Dingen und glaubt, er sei allwissend und unfehlbar. Die Nationalmannschaft versteht Flick als eine Art Gemeinschaftsprodukt des deutschen Profifußballs, in dem er das letzte Wort hat.

Rumänien mit Konterfußball

In den ersten Monaten schien er mit seinen Worten meist richtig zu liegen. Im September gab es zum Start seiner Amtszeit drei Siege: auf ein mühsames 2:0 gegen Liechtenstein folgten zwei souveräne Erfolge gegen Armenien und Island. Nun geht es erst am Freitag in Hamburg gegen Rumänien und dann am Montag in Skopje gegen Nordmazedonien. Diese beiden Mannschaften sind machbare Gegner, jedoch hat die jüngere Vergangenheit gezeigt, dass Deutschland eben auch gegen die „Kleinen“ ausrutschen kann. Denn die 1:2-Niederlage gegen die konternden Nordmazedonier in Duisburg im März ist noch vielen im Gedächtnis.

Der erste Gegner Rumänien ist vielleicht weniger darauf aus, ein Elf-Mann-Bollwerk zu errichten, wird sich aber gewiss nicht auf einen offenen Schlagabtausch mit den Deutschen einlassen. Nationaltrainer Mirel Rădoi wird sein Team wohl kompakt in einem 4-4-2 oder 4-5-1 auflaufen lassen und darauf setzen, dass gerade die schnellen und trickreichen Außenstürmer im Umschaltspiel für Unheil sorgen können. In den letzten Amtsjahren von Joachim Löw war die DFB-Elf aufgrund suboptimaler Staffelungen bei eigenem Ballbesitz und damit verbunden schwachem Gegenpressings oftmals nicht in der Lage, nach Ballverlusten angemessen zu reagieren. Die Folge war eine ausgesprochene Konteranfälligkeiten.

Konkreter Rollenzuschnitt für DFB-Stars

Flick hat sofort versucht, diese Schwachstellen zu beheben. Die Nationalmannschaft ähnelt deshalb auch etwas stärker Bayern München in der Art und Weise, wie die Bewegungen bei eigenem Ballbesitz erfolgen und wie der Druck auch nach Ballverlusten hochgehalten wird. Diese Form der zielstrebigen Dominanz ist es, die Flick etablieren möchte. Denn in den vergangenen Jahren war Deutschland allzu oft nur in sicheren Zonen in Ballbesitz und nach vorn hin zu selten durchschlagskräftig.

Für seine Pläne kann der neue Bundestrainer einerseits auf viele etablierte Offensivspieler wie Marco Reus, Serge Gnabry und Leroy Sané vertrauen und andererseits nach und nach die nächste Generation um Jamal Musiala und Florian Wirtz aufbauen. Mit Karim Adeyemi hat das DFB-Team eventuell sogar wieder eine klassische Nummer neun ganz vorn.

Was Flick jedoch auch auszeichnet, ist sein konkreter Zuschnitt von taktischen Rollen. Er vertraut nicht einfach nur auf die spielerischen Qualitäten von Gnabry und Co., sondern setzt sie gezielt ein. Deshalb gab es in den ersten Spielen auch Interessantes zu beobachten. Jonas Hofmann spielte als vorstoßender Rechtsverteidiger oder Gnabry als verkappter Zehner. Dass Flick zudem auf den Input von anderen Trainern baut, kann dem neuen Chef der Nationalmannschaft da nur zugutekommen.