Internationaler Fussball

WM-Quali: Deutschland sucht den Superstürmer

November 10, 2021

Für die WM 2022 ist Deutschland bereits qualifiziert, weshalb Bundestrainer Hansi Flick die anstehenden Länderspiele dafür nutzen kann, seinen Kader weiter zu testen. Fragezeichen stehen vor allem weiterhin hinter der Stürmerposition.

Eigentlich bot diese Länderspielpause keinen großartigen Nachrichtengehalt. Deutschland ist für die WM qualifiziert, die Gegner Liechtenstein und Armenien gehen keinesfalls als attraktive Namen durch. Doch dann kam der Corona-Fall von Niklas Süle, vier Spieler mussten neben ihm abreisen, vier weitere durften isoliert von der Mannschaft im Lager der DFB-Auswahl bleiben. Woher diese Trennung kam, erklärte der Verband nicht. Nun hatten wir Chaos, Verwirrung und Nachrichten. Die Kommunikationspolitik der Nationalmannschaft blieb derweil dürftig.

Aber zum Sportlichen: Gegen Liechtenstein und Armenien kann das deutsche Team eigentlich nur verlieren. Gibt es hohe Siege, hat man eben zwei Fußballzwerge geschlagen. Gibt es knappe Resultate, wird das als Rückschritt angesehen. Bundestrainer Flick hat bei der Nominierung seines Kaders auf größere Überraschungen verzichtet, lediglich Lukas Nmecha kam als Neuling dazu.

Werner und Adeyemi am besten hängend

Dass der Wolfsburger, der schon gute Leistungen für die U21-Nationalmannschaft zeigte, zeitnah sein Debüt geben würde, war abzusehen. Denn die Stürmerposition bleibt eine problematische im deutschen Team. Timo Werner ist momentan verletzt, konnte seine Chancen im DFB-Trikot zuletzt aber auch nicht wirklich nutzen. In seiner und Romelu Lukakus Abwesenheit wurde Kai Havertz zuletzt bei Chelsea als Neuner eingesetzt. Allerdings ist er im Mittelfeld eigentlich besser aufgehoben.

Karim Adeyemi, der zum abgereisten Quintett gehört, kann auf der Mittelstürmerposition spielen, ist es aber aus Salzburg gewohnt, in einer Zweierspitze zu agieren. Normalerweise kommt Adeyemi – ähnlich wie Werner oder Kevin Volland im Übrigen – am besten als hängender Angreifer zum Tragen. Auch Nmecha fällt bei genauerem Hinsehen eher in diese Kategorie, obwohl er zumindest die körperlichen Voraussetzungen für die Spitze mitbringt. Nach der Rückkehr von Wout Weghorst für den VfL Wolfsburg wurde Nmecha auf der Halbposition hinter dem noch robusteren Niederländer eingesetzt.

Viel Mittelfeld, sonst nichts

Das große Dilemma ist, dass es eine ganze Reihe an großartigen offensiven Mittelfeldspielern in Deutschland, dafür aber fast keine waschechten Mittelstürmer gibt. Halbstürmer, hängende Spitzen, Flügelangreifer und Zehner findet der Bundestrainer en masse – derart viele, dass nachgewiesene Könner wie Suat Serdar und Kerem Demirbay schwerlich ins Aufgebot kommen. Aber einen Zielspieler für ganz vorn von internationalem Format hat der DFB aktuell nicht. Folglich muss sich Hansi Flick irgendwie anders zu helfen wissen und Optionen wie Nmecha, Adeyemi oder Thomas Müller austesten.

Das deutsche Team ist generell sehr Mittelfeld-lastig. In der Abwehr mangelt es nämlich ebenso an Breite und auch Qualität in der Spitze. Die offizielle Grafik des DFB listet Jonas Hofmann mittlerweile unter „Abwehr“, weil der Mönchengladbacher zuletzt mehrmals als Rechtsverteidiger eingesetzt wurde. Im Club spielt Hofmann hingegen im offensiven Mittelfeld. Aber dort gibt es eben genügend Alternativen.