Formel 1

Formel 1 in Silverstone: Was bitte ist ein Sprint?

Juli 16, 2021

Es ist wohl die interessanteste Neuerung der diesjährigen Motorsportsaison – der Sprint. Beim Grand Prix in Silverstone wird das kurze Hochgeschwindigkeits-Spektakel erstmals in der Formel 1 stattfinden, zwei weitere Sprints sollen heuer noch folgen. Doch was steckt hinter dem neuen Rennformat?

Der Formel-1-Sprint ist ein Rennen, das über 100 km gefahren wird, in Silverstone bedeutet das gerade einmal 17 Runden. Rund 25 bis 30 Minuten dauert der Shortrun. Den Fahrern soll so die Möglichkeit gegeben werden, vom ersten bis zum letzten Meter Vollgas zu geben, ohne Reifen oder Energieleistung verwalten zu müssen. Punkte gibt es für die ersten Drei – der Sieger erhält drei Zähler, der Zweite zwei, der Dritte einen. Siegerehrung wird es keine geben, diese Ehre gebührt nur dem Siegertrio des klassischen Sonntagsrennens. Stattdessen gibt es eine „Post-Sprint Presentation“ – man darf gespannt sein. Das Resultat des Sprints gilt als Startreihenfolge für das Hauptrennen.

Abgeändertes Qualifying und freie Reifenwahl

Die einstündige Qualifying-Session, aufgeteilt in die drei Segmente Q1, Q2 und Q3, die in den letzten Jahren für viel Dramatik sorgen konnte, wird weiterhin ein großer Teil der Show sein. Allerdings wird sie auf den Freitag verlegt. Die Session findet erst am Nachmittag bzw. Abend statt, um den arbeitenden Fans auch die Chance zu bieten, zuzusehen. Die Reifenregeln werden sich für das Qualifying ändern, da durchgehend nur weiche Reifen erlaubt sind. Das bedeutet, dass die Teams und Fahrer das Rennen am Sonntag auf jeder beliebigen Reifenmischung starten können und nicht wie üblich den Reifen verwenden müssen, mit dem sie sich in Q2 qualifiziert haben.
Durch die Änderungen des Zeitplans gibt es für die Teams nur zwei Trainingssessions, die jeweils eine Stunde dauern. Das zweite Training findet allerdings erst am Samstag, also nach dem Qualifying am Freitag statt. Der sogenannte Parc Ferme – also ein von der FIA bewachter Bereich in dem sichergestellt wird, dass sich die Teams bei der Adaptierung der Autos an die Regeln halten – gilt bereits ab Freitag nach dem Qualifying und dann für das restliche Wochenende, um zu verhindern, dass die Teams spezielle „Qualifying-Autos“ bauen. Allerdings ist ein gewisser Spielraum bei der Neukonfiguration des Autos erlaubt, um die FP2-Session am Samstag sinnvoller zu gestalten.

Zusätzliches Budget für die Teams

Wenn das Format funktioniert, soll es in Zukunft an ausgewählten Wochenenden und nicht bei jedem Grand Prix zum Einsatz kommen. „Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Format in Monaco erfolgreich wäre“, sagte F1 Managing Director Motorsports Ross Brawn. „Wir denken darüber nach, diese Wochenenden als Grand Slam Events über die Saison verteilt zu veranstalten, es ist also etwas anderes.“
Das neue Format scheint noch ein paar Fragen offenzulassen. Noch ist nicht klar, ob ein Ausscheiden im Sprintrennen tatsächlich zur Folge hat, dass man am Sonntag vom Ende des Feldes starten muss. Sollte dies so sein, wird das Risiko der Fahrer, ob der maximal drei Punkte, nicht allzu groß sein. Um die Kosten der Sprintrennen auszugleichen, wurde mit den Teams ein Paket im Wert von zusätzlichen 500.000 Dollar für die drei Tage vereinbart. Sollten Unfälle beim Sprint passieren, greift ein eine Entschädigungsregelung. Die gibt es für Teams, die während des Qualifyings eines Sprintrennens einen Schaden erleiden. Damit soll sichergestellt werden, dass ein Fahrer, der sein Auto am Samstag beschädigt, trotzdem am Sonntag fahren kann.

„Spannend, weil an einem Wochenende viel möglich ist“

Die Reaktionen der Fahrer und Teams auf die Sprintrennen waren größtenteils positiv, fast alle waren von dem neuen Format begeistert. Der siebenfache Weltmeister Lewis Hamilton freut sich auf das Spektakel: „Ich finde es spannend, dass die Rennen sehr offen sind und das an einem Wochenende viel passieren kann. Ich hoffe, dass wir dadurch auch lernen, wie wir in Zukunft Rennen fahren können und wollen.“
Ferraris Charles Leclerc ist mit Sprintrennen schon vertraut, da er während seiner Zeit in der Formel 2 bereits Erfahrungen damit machen konnte. Beim F2-Rennen 2017 in Bahrain entschied sich Leclerc, während des Sprintrennens an die Box zu fahren – der Boxenstopp ist auch hier möglich, allerdings eine wenig genutzte Taktik bei Sprintrennen – und kam acht Runden vor Schluss auf Platz 14 aus der Box. In den verbleibenden Runden stürmte er an die Spitze des Feldes, holte sich den Sieg und sorgte damit für eines der spannendsten Sprintrennen überhaupt.