Formel 1

Noch sieben Rennen – Wer kann sich in der Türkei einen Vorteil verschaffen?

Oktober 8, 2021

Die Formel 1 ist 2021 so spannend wie seit vielen Jahren nicht. Beim letzten Rennen in Sochi vor zwei Wochen sagten die Experten Hamilton einen großen Vorteil voraus. Aufgrund von Regenchaos und einem starken Rennen fuhr Max Verstappen jedoch von Startplatz 20 auf Rang zwei und verlor damit nur minimal Punkte auf den siebenfachen Weltmeister. Und das trotz Motorenwechsel. Nun wartet in Istanbul das nächste Spektakel.

Motorenwechsel Ja oder Nein?

Vor einem Jahr konnte sich Lewis Hamilton bereits in der Türkei seinen siebten Weltmeistertitel sichern. Heuer trennen ihn und Verfolger Max Verstappen, der in Istanbul mit einem Honda-gewidmeten weißen Boliden an den Start gehen wird, gerade einmal zwei Punkte – entschieden ist somit noch lange nichts. Ein Problem, dass bei Mercedes aufkommen wird, ist der Motor. Es gilt als fix, dass auch Hamilton bald ein neues Modell braucht, da man bis zum Saisonende kein Risiko eingehen will – das heißt, dass auch Hamilton eine Strafe droht. Der Brite müsste ein Rennen vom letzten Startplatz beginnen. Ob das bereits in der Türkei der Fall sein wird, weiß man in wenigen Stunden. Egal wann, er wird nicht darum herumkommen, will er gegen Verstappen die Oberhand behalten. Fix ist bereits, dass Carlos Sainz von ganz hinten starten wird.

Regen – Vorteil für Verstappen?

Letztes Jahr hatten einige Fahrer am Istanbul Park Circuit damit zu kämpfen, auf der Strecke zu bleiben, selbst Hamilton und Verstappen. Das lag vor allem an der Strecke selbst, aber auch an der Feuchtigkeit von oben. Für 2021 hat die FIA deshalb veranlasst, dass der Asphalt spezialbehandelt wird. Das könnte beim Setup durchaus eine Rolle spielen, der Grip soll wesentlich besser werden. Allerdings ist für das Wochenende Regen angesagt – was den Formel-1-Fans Spannung bereitet, wird zur großen Herausforderung für Teams, Fahrer und Reifenhersteller Pirelli.

Einer, der Regen immer wieder für sich nutzen kann, ist Max Verstappen. So oft bewies er sein Können auf nasser Strecke, so auch in der Schlussphase von Sochi. Er gilt als klar bester Regen-Fahrer im Feld. Sollte in Istanbul Regen einsetzen, ist der Niederländer der Topfavorit, sofern er beim Qualifying im vorderen Feld landet.

Wer holt den Titel?

Es ist vollkommen klar, dass in Istanbul keine Entscheidung fallen wird, dafür stehen noch zu viele Rennen am Programm. Nichtsdestotrotz könnte sich einer der beiden Kontrahenten einen ordentlichen Vorteil verschaffen und so Druck auf den anderen ausüben. Die Buchmacher sehen Verstappen trotz zwei Punkten Rückstand am Ende vorne – aufgrund des bereits erfolgten Motorenwechsels.

Was diese Saison zudem spannend macht, sind die Charaktere, die sich am Ring matchen. Die vielen Crashs und Kontakte zwischen den beiden zeigen, dass beide Fahrer keine Angst davor haben, im Rad-an-Rad-Kampf die Ellbogen auszufahren. Hamilton ist trotz der vielen Siege immer noch hungrig, Verstappen will endlich die Vormachtstellung von Mercedes beenden und seinen ersten Titel einfahren.

In der Konstrukteurswertung liegen die Nicht-Mehr-Silberpfeile mit einem Vorsprung von 33 Punkten vor den Bullen. Der Unterschied mag zwar gering erscheinen, aber ein falscher Schritt oder ein Ausfall reichen aus, um diesen Abstand zu verringern oder zu vergrößern und möglicherweise den Titel zu verlieren.

Wer kann in Istanbul sonst noch mitmischen?

Viele haben in Sochi besonders mit einem gelitten – Lando Norris. Lange sah es so aus als könnte er sein erstes Rennen gewinnen, doch dann setzte der Regen ein. Der junge Brite riskierte und verlor in den letzten Runden zusehends die Kontrolle, ehe er von einer Reihe von Fahrern noch eingeholt wurde. Danach sprach man bei McLaren von einem Lernprozess – möglicherweise kann man den schon in der Türkei für sich nutzen. Norris ist jedenfalls in einer ausgezeichneten Form und auch das Auto scheint mithalten zu können. Aber auch sein Kamerad Daniel Ricciardo, Sieger von Monza, ist jederzeit für ein Stockerl gut.

Ein Kandidat für das Podium fällt mit Carlos Sainz wohl weg, aufgrund des Motorenwechsels startet er aus der letzten Startreihe. Charles Leclerc hingegen hat die Chance, vorne mitzufahren. Ebenso die Alpine-Piloten Fernando Alonso und Esteban Ocon. Zünglein an der Waage im restlichen Saisonverlauf könnten die zwei Herren sein, die wohl am häufigsten kritisiert werden. Valtteri Bottas und Sergio Perez, wobei letzterer durchaus auch Lob bekam. Perez wird weiterhin alles für das Red-Bull-Team geben, schließlich bleibt er über die Saison hinaus beim österreichischen Rennstall. Bottas hingegen scheint nur noch für sich selbst zu fahren, das Verhältnis zu Hamilton ist angespannt – womöglich ist das der entscheidende Aspekt, der Verstappen zum Weltmeister macht.