Formel 1

Showdown in Saudi-Arabien: Kann sich Verstappen den Titel sichern?

Dezember 3, 2021

Er könnte der erste niederländische Weltmeister in der Geschichte der  Formel 1 werden: Max Verstappen. Am kommenden Wochenende kommt es in der Königsklasse des Motorsports zum vorletzten Rennen der Saison. Eine Entscheidung um den Titel könnte bereits fallen.

Anfang Dezember begibt sich die Formel 1 nach Saudi-Arabien. Genauer gesagt nach Dschidda, einer Stadt am Roten Meer mit über 4 Millionen Einwohner. Fußballfans könnte die Metropole an der Westküste durchaus etwas sagen – der Ex-Klub von Marko Marin Al Ahli und der achtfache saudische Meister Al-Ittihad sind dort beheimatet. Für die Formel 1 ist der Wüstenstaat neues Terrain, erstmals ist man dort zu Gast. Die Strecke wurde in einer Rekordzeit fertiggestellt, erst vor einem Jahr begannen die Verantwortlichen mit der Planung. Vor wenigen Wochen zweifelten Experten noch daran, dass der Asphalt vollständig und in guter Qualität aushärten sollte. Interessanterweise bleibt der Kurs nur für zwei Jahre – oder auch zwei Formel-1-Rennen – bestehen. 2023 soll der Große Preis von Saudi-Arabien in Qiddiya, nahe der Hauptstadt Riad, stattfinden.

Knappe Kiste bis zum Schluss?

Das Königreich ist das 34. Land auf der Weltkarte der Formel 1. Selten war ein Gastgeber so umstritten. Saudi-Arabien muss sich den Vorwurf gefallen lassen, Menschenrechte konsequent zu missachten. Die Formel 1 muss sich damit anhören, sich für Imagemache einspannen zu lassen.

Doch zurück zum Sportlichen: Am Sonntag könnte beim Großen Preis von Saudi-Arabien in Dschidda ein neuer Formel-1-Weltmeister gekürt werden. Max Verstappen führt das Titelrennen zwei Rennen vor Schluss mit acht Punkten Vorsprung auf den siebenfachen Champion und Titelverteidiger Lewis Hamilton an. Angesichts der Tatsache, wie eng die beiden schon die ganze Saison über beieinander liegen, ist aber zu erwarten, dass der Kampf bis zum Großen Preis von Abu Dhabi nächste Woche spannend bleibt. Dennoch hat der Niederländer die Chance, sich in Dschidda den Titel zu sichern.

So wird Verstappen in Saudi-Arabien zum Weltmeister:

Wenn Verstappen gewinnt …

Sollte der 24-Jährige den Sieg einfahren und dies mit der schnellsten Runde schaffen, müsste Hamilton Fünfter oder besser werden, um den Kampf bis zum letzten Rennen offen zu erhalten. Sollte Verstappen nicht die schnellste Runde fahren, aber trotzdem gewinnen, kann Hamilton es sich leisten, Sechster zu werden und in der darauffolgenden Woche in Yas Marina immer noch Chancen auf den Titel zu haben.

Wenn Verstappen Zweiter wird …

Das mittlere Treppchen ist die zweite Möglichkeit für Verstappen, die Meisterschaft an diesem Wochenende zu gewinnen. Dazu müsste Hamilton allerdings außerhalb der Punkteränge landen, was realistisch gesehen nur mit einem Rennausfall möglich wäre. Das letzte Mal als Hamilton ein Rennen nicht beendete, in dem Verstappen punktete, war übrigens beim Österreich-GP 2018.  Wenn Verstappen mit der schnellsten Runde Zweiter wird und Hamilton maximal Zehnter wird, gehört der Titel auch dem Niederländer.

Hamilton trotz Rückstand Favorit auf den Titel?

Die Aussicht, dass die beiden besten Fahrer der Welt im Kampf um die Weltmeisterschaft gegeneinander antreten, könnte weltweit für Rekordeinschaltquoten sorgen. Interessant könnte beim Rennen vor allem der Kurs werden. Formel-1-Sportchef Ross Brawn machte es deutlich: „Wir wollen keine Mickey-Mouse-Strecken. Wir wollen schnelle und flüssige Layouts. Rennstrecken, die eine Herausforderung für die Fahrer sind. Ich glaube, sie werden es lieben.“ Drei DRS-Zonen wird es geben, der Kurs ist gespickt mit schnellen Kurven.

Die Silberpfeile waren in der zweiten Saisonhälfte konstant schneller als Red Bull und hatten laut BBC Sport im Durchschnitt 0,248 Sekunden Vorsprung im Qualifying. In den Boxen ist man sich scheinbar einig, dass dieser Vorsprung auch beim ersten Großen Preis von Saudi-Arabien erhalten bleiben oder sogar noch ausgebaut werden kann. Ein zusätzliches Ass für Hamilton ist seine Vorliebe für neue Strecken und sein Talent, sich schnell an sie zu gewöhnen. Der Brite hat fünf der letzten sechs Grands Prix gewonnen, darunter auch den letzten in Katar.

Es scheint als hätte Mercedes mit dem neuen Motor und dem unfassbarem Speed trotz acht Punkten Rückstand die besseren Karten. Aber wenn uns diese epische Saison etwas gelehrt hat, dann ist es, abzuwarten, was als Nächstes kommen könnte. Jedes kleine Problem, das Mercedes mit dem Grip oder der Streckentemperatur hat, könnte Verstappen die Tür öffnen und eine unerwartete Entscheidung bringen.