Formel 1Motorsport

Kann Sebastian Vettel im Ferrari noch einmal angreifen?

August 7, 2020

Ergebniskrise im schwächsten Ferrari seit langem
Der erste Grand Prix in Silverstone ist Geschichte, der zweite folgt bereits am kommenden Wochenende. Für Vettel kann dieser eigentlich nur besser werden, das Rennen am Sonntag stellte die Krönung eines katastrophalen Auftakts auf der britischen Kultstrecke dar. Doch neben kleinen Fahrfehlern die sich der Deutsche regelmäßig leistet, gibt vor allem das Auto Rätsel auf. „Ich fühlte mich nicht wohl mit dem Auto, von Anfang an nicht. Ich dachte, es wird im Rennen besser, wurde es aber nicht. Ich habe keine Ahnung, woran der Fehler liegt. Aber es ist nicht normal, dass alles über Nacht rückwärtsläuft“, sagte der 33-Jährige nach seinem zehnten Platz am Sonntag. Der eine Punkt war ohnehin nur möglich, weil Valtteri Bottas und Carlos Sainz wegen Reifenplatzern zurückfielen.

Über das gesamte Rennwochenende wies das Auto immer wieder neue Probleme auf. Sowohl im Freitagstraining als auch am Samstag stellten sich technische Probleme ein, die Vettel viel Streckenzeit kosteten. Er beklagte bereits am Freitag, aufgrund dieser Unterbrechungen „keinen Rhythmus“ zu finden. Auch im Qualifying kämpfte Vettel mit seinem Boliden, am Ende wies er eine Sekunde Rückstand auf Teamkollege Charles Leclerc auf. Selbst die Konkurrenz ist ob des schwachen Autos überrascht. Helmut Marko, Sportchef von Red Bull, sagte gegenüber der Autobild: „Es ist uns ein Rätsel, wo Leclerc die Geschwindigkeit hergeholt hat. Allerdings scheint das nur bei ihm der Fall gewesen zu sein, nicht bei Vettel.“

Sabotage aus den eigenen Reihen?
Der Verdacht erhärtete sich so, Vettels Auto würde womöglich von der eigenen Crew sabotiert werden. Während Teamkollege mit einem doch wesentlich verbesserten Fahrzeug in Silverstone antrat und auf Rang drei fuhr, wurde Vettel selbst von Renault und Alpha Tauri überholt. Öffentlich wird Vettel nie sagen vom eigenen Team benachteiligt zu werden, er nahm den Quali-Patzer sogar auf seine Kappe: „Ich will niemandem böse Absicht unterstellen. Auch auf meiner Seite lief es im Qualifying nicht ideal.“

Die wahre Nummer eins bei Ferrari war Vettel nur kurz. Nach dem der deutsche die Technik kritisierte, fiel er beim ehemaligen Ferrari-Boss Maurizio Arrivabene in Ungnade. Sein Nachfolger Mattia Binotto war nie ein Fan des vierfachen Weltmeisters und verkündete das Ende Vettels bei Ferrari. Leclerc wurde indes mit einem Fünf-Jahres-Vertrag mit erfolgsabhängigen Gehaltsteigerungen ausgestattet.

Neues Team oder gar Karriereende?
Auch wenn Vettel den Formel-1-Ruhestand noch ausschließt – sollte der Heppenheimer zu Beginn der nächsten Saison kein neues Cockpit haben, müsste er wohl oder übel seine Karriere beenden. Dies gilt jedoch als unwahrscheinlich, zahlreiche Optionen sollen sich Vettel bieten. Etwa Racing Point könnte eine neue Herausforderung darstellen, der Platz von Sergio Perez ist noch unbesetzt. Nicht zuletzt Jacques Villeneuve brachte auch seinen ehemaligen Arbeitgeber Red Bull ins Spiel: „Sebastian kommt mit den Autos von Newey gut klar, das hat er schon bewiesen. Mit Max Verstappen hätte Red Bull endlich zwei Fahrer, die am Limit fahren können.“

Ob den Ereignissen zuletzt ist damit zu rechnen, dass Vettel in dieser Saison nicht mehr an die Spitzenplätze herankommt. Dennoch ist ihm zu wünschen, dass die Probleme mit dem roten Boliden weniger werden. In der kommenden Saison könnte der Routinier in einem anderen Auto und einem passenden Umfeld wieder um Siege mitfahren, dazu muss er aber auch seiner Leistung wieder steigern.