Formel 1Motorsport

Top 3 statt Mittelfeld: McLaren und Racing Point mit der Flucht nach vorne

September 10, 2020

Auch nach einem spannenden Sonntag in Monza bleiben die Favoriten auf den Sieg in Mugello die gleichen – Lewis Hamilton, Valtteri Bottas und etwas dahinter Max Verstappen. Doch gerade, wenn die Mercedes-Boliden nicht die erwartete Leistung abrufen können, ist die Chance für die Teams dahinter groß. In Monza lag schlussendlich ein Alpha Tauri vor einem McLaren und auf Platz drei ein Racing-Point-Auto. Dass der Sieger Pierre Gasly hieß, liegt vor allem am Franzosen selbst. Nachdem er durch den Restart und die Strafe von Hamilton an die Spitze vorpreschte, machte der 24-Jährige in den letzten rund 20 Runden keinen einzigen Fehler und konnte so die Attacke von Sainz, der wohl in einem stärkeren Auto saß, abwehren. Sainz selbst, hätte wohl nur noch ein oder zwei Runden gebraucht, um am „kleinen“ Red Bull vorbeizuziehen.

McClaren hat die Nase vorn

Die gute Performance zeigte das McLaren-Team nicht zum ersten Mal in dieser Saison und auch im Qualifying von Monza bestätigte Carlos Sainz mit Rang drei die Form. Der große Unterschied zum Vorjahr: Das Auto. Der MCL 35 ist das erste Auto, das unter der Leitung von James Key entstanden ist. „Es ist im Vergleich zu der guten Basis, die wir letztes Jahr hatten, ein klarer Schritt nach vorne. Natürlich haben wir im Vergleich zu Mercedes noch ein Riesen-Defizit, aber relativ zu allen anderen einen Fortschritt erzielt“, erklärt etwa McLaren-Teamchef Andreas Seidl. Das Auto soll auch ein aerodynamischeres Layout haben als im letzten Jahr. Die Kurvengeschwindigkeit und -stabiltät wurde zudem verbessert.

Derzeit liegt das Team von McLaren in der  Konstrukteurswertung mit 98 Punkten auf Rang drei hinter Mercedes und Red Bull, 16 Punkte vor Racing Point. Bitter war der Ausfall von Sainz in Belgien, bei der er aufgrund eines Auspuffdefekts nicht starten konnte. Es ist die Konstanz, die das britische Rennteam derzeit auf das Podium bringt. Bis jetzt konnten sie in jedem Rennen punkten, das gelang sonst nur Mercedes und Racing Point. Von 16 Teilnahmen der beiden Fahrer in den Qualifyings, landete man 15 Mal in Q3. Beeindrucken ist, dass sie bei beinahe jeder Streckenkonfiguration mithalten können. Die beiden Fahrer Sainz und Lando Norris scheinen obendrein gut zu funktionieren. Der Brite liegt derzeit mit 57 Punkten auf Rang fünf, Sainz auf Platz neun.

Racing Point sucht nach der richtigen Mischung

Auch wenn der Abstand vor dem Rennen in Mugello zu Racing Point durchaus groß ist, dürfte der Racing-Point-Bolide noch um einen Zacken besser sein als jener von McLaren. Auch McLaren-Teamchef Seidl glaubt an einen kleinen Vorteil auf Seiten der Konkurrenz. Für Wirbel sorgte das rosa Team mit ihrem Auto seit Anfang der Saison auf aber auch abseits der Strecke. Denn der neue Racing Point RP20 sieht abgesehen von der Farbe dem Weltmeister-Auto von Mercedes nicht nur zum Verwechseln ähnlich, es ist eine Kopie, sagen die anderen Teams. Das Urteil der FIA: 400.000 Euro Strafe und 15 Punkte Abzug.

In der Vergangenheit orientierten sich die Ingenieure von Racing Point am Konzept von Red Bull, versuchten den hohen Anstellwinkel der Boliden aus der Feder von Designer-Legende Adrian Newey zu imitieren. Für 2020 warf man diesen Ansatz vollständig über Bord und nahm sich mit Mercedes den neuen Klassenprimus zum Vorbild. Das Auto sei dieses Jahr ganz anders, meinte etwa Sergio Perez. Trotz der guten Voraussetzungen bleibt die Konstanz aus. Zwar erreichen Perez und Kollege Lance Stroll im Qualifying regelmäßig gute Ergebnisse, allerdings können sie die eher selten ins Ziel bringen, wie auch in Monza – beim Restart lag Stroll hinter Hamilton auf Platz zwei und war der große Favorit auf den Sieg. Doch der Kanadier verpatzte den Start und fiel zurück. Danach konnte sich der 21-Jährige noch auf Rang drei retten und holte so das erste Podium für sein Team in dieser Saison. Das Auto kann definitiv mehr, und die beiden Fahrer auch. Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Mischung perfekt passt.