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ATP in Miami ohne Djokovic und Nadal – ist Daniil Medvedev bald die neue Nummer eins der Welt?

März 22, 2021

Es hätte das nächste große Tennis-Spektakel in diesem Jahr werden sollen. Nach den Australian Open erwartete man die Elite des Sports im sonnigen Miami. Doch nun folgte eine prominente Absage auf die andere – nach Roger Federer, Rafael Nadal und Dominic Thiem sagte nun auch der Weltranglistenerste Novak Djokovic ab. Ein Umstand, der einen anderen Spitzenspieler zum sofortigen absoluten Topfavoriten macht: Daniil Medvedev. Der Russe wurde erst vor wenigen Tagen die neue Nummer zwei der Welt und ist nun der erste Verfolger des Djokers.

Noch vor wenigen Wochen fieberten die Veranstalter dem ATP-1000 von Miami entgegen. Doch die Enttäuschung in Florida ist kurz vor dem Beginn des Turniers enorm. Unzählige Absagen trudelten ein. Der Höhepunkt der Absagen-Serie war das Nein von Novak Djokovic, doch zuvor hatten bereits viele Stars abgesagt, mit denen eigentlich zu rechnen war – Rafael Nadal, Dominic Thiem, Roger Federer, Nick Kyrgios, Stan Wawrinka, um nur einige zu nennen. Der große Favorit heißt Daniil Medvedev, doch auch Alexander Zverev ist derzeit in Topform – erst vor wenigen Tagen sicherte sich der Deutsche den Titel in Acapulco. Sein Finalgegner Stefanos Tsitsipas will auch um den Titel in Miami mitreden.

16 Jahre alte Dominanz durchbrochen

Nicht zuletzt wegen seines Aufstiegs zur Nummer zwei der Welt ist Medvedev der Star des Turniers. Mit seinem eigenwilligen Stil ist er auf dem besten Weg zur Nummer eins der Zukunft, die Wachablöse der alten Garde scheint nur eine Frage der Zeit. Am vergangenen Montag durchbrach er eine fast 16 Jahre alte Serie. Seit der Saison 2005 kletterte kein Spieler mehr, der nicht den sogenannten Big 4 um Djokovic, Federer, Nadal und Andy Murray angehörte, so hoch im Ranking. Wann die Wachablöse passiert, scheint nach Lage der Dinge in erster Linie von Djokovic selbst abzuhängen und wie lange er noch an der Spitze thront. 2068 Punkte beträgt der Rückstand, den Medvedev im Ranking dafür wettmachen muss.

Etwas, das Medvedev noch für die Spitze fehlt, sind Siege bei Grand-Slam-Turnieren. Der Russe liefert seit geraumer Zeit konstant starke Resultate, der erste Major-Titel fehlt ihm jedoch noch. In Australien war er nah dran, ausgerechnet Djokovic machte ihm einen Strich durch die Rechnung. „Ich konnte einfach nichts dagegen machen“, blickt Medvedev heute auf die deutliche 5:7, 2:6, 2:6-Niederlage zurück. Kann Medvedev seiner Linie und seinem Spiel treu bleiben, wird er noch öfter die Chance bekommen, ein Turnier in dieser Größenordnung für sich zu entscheiden.

Ein eigenwilliger Typ am Weg an die Spitze

Der Russe gilt als äußerst facettenreich, auf dem Platz agiert er fast wie ein Schachspieler. Sein Tennis ist nämlich nicht nur von technischer Finesse, sondern auch von ausgefeilter Taktik geprägt. „Sein Spiel ist wie seine Persönlichkeit, sehr facettenreich“, erläutert Medvedevs Coach Gilles Cervara. Seine Arbeit bestehe unter anderem darin, ein Genie zu trainieren. „Manchmal versteht man Genies nicht, das ist eben so. Du musst sie so nehmen, wie sie sind.“ Tennis-Fans sind zwiegespalten, aufgrund seiner eigenwilligen Art musste er schon von Zusehern und Medien einiges an Kritik einstecken. Doch der 25-Jährige kann mit dieser Kritik gekonnt umgehen: „Ich habe tatsächlich keine Ahnung, warum die Dämonen herauskommen, wenn ich Tennis spiele”, sagt Medvedev über den Teil seiner Wesensart, die ihm den Weg zum Publikumsliebling verbaut. Was dem Russen hilft, ist, dass es im egal zu sein scheint, was man über ihn sagt. Dies könnte durchaus ein Vorteil sein auf dem Weg an die Spitze der Tenniswelt.

Zuletzt triumphierte er beim ATP-Turnier in Marseille, der nächste Schachzug soll ab heute beim Masters von Miami folgen. Es geht um 1000 Ranglistenpunkte. Medvedev ist die Nummer eins der Setzliste, weil eben Djokovic genau wie Nadal und Federer nicht antreten wird. Für den Russen gibt es in Florida also viel zu gewinnen.