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French Open 2020 – Der Sandplatzkönig kehrt zurück

September 24, 2020

Seit Anfang der Woche wird in Paris bereits gespielt – die Qualifikation ist voll im Gange. Am Sonntag steigen die ersten Superstars in das Turnier ein. Wie schon in New York haben die Veranstalter mit einigen Corona-Fällen zu kämpfen. Mehrere Spieler wurden bereits ausgeschlossen – Damir Dzumhur droht deshalb sogar mit einer Klage. Insgesamt sollen bis zu 15 Spieler positiv getestet worden sein. Trotzdem werden die French Open vor Zuschauern stattfinden – zumindest 5.000 Fans dürfen sich pro Turniertag auf Roland Garros aufhalten.

Nadal Favorit trotz Schwächen

Der große Favorit auf den Titel kann eigentlich nur Rafael Nadal heißen. Seit 2005 hat er das Turnier zwölf Mal gewonnen – zuletzt drei Mal in Folge. Der 34-Jährige könnte Roger Federer mit seinem insgesamt 20. Major-Titel in der ewigen besten Liste einholen. Doch die Vorrausetzungen für Nadal sind nicht so optimal, wie es das Papier zeigt. Nachdem der Spanier die US Open ausließ und sich direkt auf die Sandplatzturniere vorbereitete, spielte er in Rom auf. Nadals Plan, alles auf die Karte Sand zu setzen, zahlte sich zunächst aus. Zum Auftakt im Foro Italico zu Rom fegte der 34-Jährige seinen Landsmann Pablo Carreño Busta in 73 Minuten mit 6:1, 6:1 von der roten Asche. Kaum besser erging es Dusan Lajovic, der im Achtelfinale mit 1:6, 3:6 unter die Räder kam. 90 Minuten benötigte Nadal für das zweite Spektakel. Doch dann kam Diego Schwartzman. Der Argentinier entzauberte den Branchenprimus und entschied das Duell in zwei Sätzen mit 6:2 und 7:5 für sich.

Nadal offenbarte bei seinem Ausscheiden Schwächen, die man von ihm so gar nicht kennt. "Wenn man so viele Aufschläge abgibt, kann man nicht gewinnen", analysierte der 19-fache Grand-Slam-Turniersieger nach dem K.O. gegen Schwartzman. Die Zahlen geben Nadal recht. Der erste Aufschlag kam nur zu 43 Prozent – und wenn dies der Fall war, machte der Titelverteidiger nur 48 Prozent der Punkte. Über den zweiten Aufschlag lag die Punktquote bei 44 Prozent – eine Bankrotterklärung.

Wachablöse scheint möglich

Im Vorjahr gewann er zwar die French Open, doch in Monte-Carlo, Barcelona und Madrid verpasste Nadal das Finale nach Niederlagen gegen Fabio Fognini, Dominic Thiem und Stefanos Tsitsipas. Dies nährt natürlich die Chancen auf eine Wachablöse in Paris. Doch möglicherweise ist das frühe Ausscheiden in Rom ein Vorteil für den Mallorquiner, auch wenn er nur drei Matches im Wettkampfmodus hinter sich hat. Nun hat Nadal mehr Zeit sich auf die French Open einzustellen – zumal dieses Jahr einiges anders zu sein scheint.

Erstmals finden die French Open im Herbst statt, bei kühleren Temperaturen. Dies macht den Platz langsamer. Zudem entschieden sich die Veranstalter die Bälle zu wechseln – statt mit Babolat wird nun mit Wilson aufgeschlagen. Laut einiger Spieler wie Dominic Thiem hat dies zu Folge, dass die Bälle schneller aufgehen und somit langsamer sind. „Die Bälle werden sicher einige Ergebnisse verändern und unerwartete Sieger hervorbringen“, sagte Thiem, der die Wilson-Produktion bereits beim Training in Wien testen konnte. Der Lichtenwörther gehört zum Favoritenkreis auf Roland Garros, so auch Novak Djokovic, der wohl Nadals schärfster Konkurrent sein dürfte. Immerhin verlor der Serbe heuer noch kein einziges Spiel, sieht man von der Disqualifikation bei den US Open ab, und dies gilt für verschiedene Belege – in Rom triumphierte er auf Sand.