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Nadal, Djokovic oder doch Rublev? Bei den ATP Finals 2020 in London matcht sich die Tenniselite um den Titel und es gibt mehr als nur einen Favoriten

November 15, 2020November 16th, 2020

Schon die Auslosung der ATP Finals, bei denen ab Sonntag in der britischen Hauptstadt aufgeschlagen wird, brachte große Spannung. Mit dabei beim Saison-Abschlussevent sind acht der besten neun Spieler der Weltrangliste – einzig die derzeitige Nummer fünf Roger Federer musste passen. Doch welche Matches erwarten uns und wer ist Favorit?

Große Namen beim großen Finale

Am Donnerstag fand die Auslosung beim britischen Radiosender BBC 5 statt, unter Beteiligung von Stan Smith, dem ersten Sieger der ATP Finals, und Gerry Armstrong, dem legendären Supervisor der ATP. In Zweierpärchen wurde gelost, so kann etwa die Nummer eins nicht auf die Nummer zwei treffen, so sollte ein möglichst ausgeglichenes Feld zusammengestellt werden. Der deutsche Shootingstar Alexander Zverev trifft in der Gruppe „Tokyo 1970“ auf Novak Djokovic, Daniil Medvedev und Diego Schwartzman. Der Argentinier rutschte aufgrund der Absage von Federer ins Starterfeld. In der Gruppe „London 2020“ matchen sich French-Open-Sieger Rafael Nadal, US-Open-Sieger Dominic Thiem, Erste-Bank-Open-Sieger Andrey Rublev und der Sieger der ATP Finals von 2019, Stefanos Tsitsipas. Nach der Gruppenphase steigen jeweils die besten zwei Spieler in die K.O.-Phase auf.

Den Auftakt in der O2-Arena machen Thiem und Tsitsipas – es kommt also zum Rematch zwischen den beiden Finalisten des letztjährigen ATP Finals. Damals gewann der Grieche mit 6:7, 6:2, 7:6 und sicherte sich den inoffiziellen Weltmeistertitel. Ebenfalls am Sonntag spielen Nadal und Rublev. Das letzte Match der beiden bei den US Open 2017 gewann der Spanier. Rublev tankte zuletzt viel Selbstvertrauen, holte sich unter anderem den Titel bei den Erste-Bank-Open in Wien und zählt etwa für Thiem zum engsten Kreis der Titelanwärter: „Neben Nadal und Djokovic, die natürlich immer die Topfavoriten sind, ist Rublev ein extrem heißer Kandidat, weil er quasi das ganze Jahr über in absoluter Topform spielt.“ Der Russe ist wie Diego Schwartzman das erste Mal bei den ATP Finals.

Zverev mit schwerer Aufgabe

Auf Zverev, der sich 2018 den Titel in London holte, wartet am Montag Daniil Medvedev. Bereits letztes Jahr matchte sich die deutsche Nummer eins bei den Finals mit dem Russen – mit dem besseren Ende für Zverev. Das letzte Duell fand allerdings erst vor knapp einer Woche beim ATP-Masters in Paris statt. In einem anfangs umkämpften Finale sicherte sich Medvedev mit 7:5, 4:6, 1:6 den Titel. Entscheidend war nicht nur der Wille des Moskauers, sondern auch die Fitness, im Endspurt machte Medvedev den klar frischeren Eindruck. Will Zverev in die K.O.-Phase einziehen, muss er wohl bereits im ersten Spiel einen Sieg einfahren. Immerhin wartet noch der Topfavorit Novak Djokovic auf den 23-Jährigen.

Das Turnier findet wie die meisten in der zweiten Jahreshälfte 2020 in einer Bubble statt – Zuschauer wird es ohnehin keine geben. Die Regeln sind streng – bei Verlassen der Bubble, die im Prinzip nur Hotel und Arena umfasst, droht die sofortige Disqualifikation. COVID-19-Tests wurden nur vorab durchgeführt, bis zum Finale am 22. November sind keine weiteren geplant, außer ein Spieler leidet unter Symptomen.

Doppel-Finals mit deutscher und österreichischer Beteiligung

Zu einer besonderen Ehre kommen die Bryan-Brüder, die im August ihr Karriereende bekanntgaben. Die Zwillinge aus den USA gelten als erfolgreichstes Doppel aller Zeiten, gewannen alle vier Grand-Slam-Turniere, alle neun ATP-Masters, triumphierten viermal bei den ATP-Finals und holten 2012 bei den Olympischen Spielen in London die Goldmedaille. Zum ersten Mal erreichten die beiden am 8. September 2003 Platz eins der Doppel-Weltrangliste, insgesamt standen sie 438 Wochen gemeinsam an der Spitze und beendeten zehn Saisons als Weltranglistenerste. Bei den ATP Finals werden deshalb die Doppel-Gruppen nach den beiden benannt – „Group Bob Bryan“ und „Group Mike Bryan“. Mit dabei sind auch die Deutschen Kevin Krawietz und Andreas Mies sowie der Österreicher Jürgen Melzer, der mit Partner Édouard Roger-Vasselin antritt.