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Wimbledon-Finale: Kann sich Berrettini gegen Djokovic durchsetzen?

Juli 10, 2021Juli 12th, 2021

Am Sonntagnachmittag steigt das Endspiel in Wimbledon. Novak Djokovic schaffte wie zu erwarten den Einzug ins Finale, nachdem er Denis Shapovalov in drei Sätzen eliminierte. Herausforderer ist Matteo Berretini – der erste Italiener in einem Grand-Slam-Finale seit Adriano Panatta 1976. Hat der Außenseiter eine Chance?

Berrettini – Folgt der krönende Abschluss eines grandiosen Turniers?

„Ich habe keine Worte, wirklich“, sagte Berrettini nach dem Halbfinalsieg über Hubert Hurkacz. „Ich brauche ein paar Stunden, um zu verstehen, was passiert ist.“ Dass der 25-jährige Italiener im Endspiel steht, ist allerdings keine Überraschung. Vor dem Auftreten in Wimbledon holte er sich den Sieg beim Vorbereitungsturnier im Londoner Queen‘s Club. Es war sein Debüt beim jährlichen Wettkampf, der nur zwei Wochen vor Wimbledon ausgetragen wird. Der letzte, der das Turnier im Queen’s Club bei seinem Debüt für sich entscheiden konnte, war kein Geringerer als Boris Becker. Und: Becker holte direkt danach seinen ersten Grand-Slam-Titel – in Wimbledon.

Die Vorzeichen stehen gut, allerdings muss Berrettini noch die größte aller Hürden überstehen – Novak Djokovic. Doch die italienische Hoffnung überzeugte bisher mit starkem Spiel. Es sind nicht nur seine Kraft beim Aufschlag und seine Vorhand, die das Publikum zum Staunen bringt, es ist auch seine Treffsicherheit, die sich als Waffe auf seinem Weg ins Finale erwiesen hat, auf dem er nur drei Sätze abgegeben hat.

Hurkacz, der zum ersten Mal in einem Grand-Slam-Halbfinale stand, konnte Berrettini kaum gefährden. Doch der Pole startete durchaus selbstbewusst mit einem guten Aufschlagspiel und wehrte drei Breakbälle in seinem nächsten Aufschlagspiel ab, bevor er Berrettini mit einem zahmen Versuch ins Netz ein Break schenkte.

Das war Teil einer Serie von elf Spielen in Folge, die der Italiener gewann, bevor der 24-jährige Pole schließlich seinen Aufschlag hielt und endlich in das Match fand, indem er den dritten Satz in einen Tie-Break brachte, den er früh unter Kontrolle hatte. Hurkacz hatte das vollbesetzte Center Court-Publikum hinter sich, anfangs vielleicht eher aus Sympathie, als seine Schläge nicht mehr funktionierten. Das Netz arbeitete zu Berrettinis Gunsten und selbst seine Hawk-Eye-Challenge zeigte, dass der Punkt um die Breite eines Grashalms gegen ihn war. Die Zuschauer brüllten und Hurkacz auch, als eine Vorhand von Berrettini gegen das Netz krachte, um das Match in einen vierten Satz zu bringen und es zu einem umkämpften Spektakel zu machen.

Doch der an Nummer 14 gesetzte Hurkacz, der im Viertelfinale den achtmaligen Champion Roger Federer in drei Sätzen ausgeschaltet hatte, geriet früh mit einem Break in Rückstand, als Berrettini aufdrehte und seine Form wiederfand. Beim Stand von 5:3 konnte er einen Matchball bei Aufschlag des Polen nicht verwandeln, machte aber im folgenden Spiel keinen Fehler und verwandelte den Matchball mit seinem 22. Ass. Den Sieg besiegelte er mit einem weiteren starken Aufschlag, den Hurkacz nur lang abwehren konnte. Damit ist er der erste Italiener seit Adriano Panatta bei den French Open 1976, der ein Major-Finale im Einzel erreicht.

Ist Djokovic überhaupt bezwingbar?

Fünf Mal triumphierte der Djoker bisher in Wimbledon. Ein Spiel fehlt noch, um Nummer sechs einzutüten, damit auch seinen 20. Grand-Slam-Titel insgesamt und den Allzeit-Rekord der Männer von Roger Federer und Rafael Nadal zu erreichen.

Doch es war alles andere als ein einfacher Weg für den 34-jährigen Serben. Der Weltranglistenerste brauchte sein ganzes Können und seinen Kampfgeist, um den an Nummer zehn gesetzten Shapovalov in einem unterhaltsamen Wettkampf zu besiegen. In seinem ersten Major-Halbfinale lieferte Shapovalov in den entscheidenden Momenten allerdings nicht ab – und das erwies sich als kostspielig. „Ich denke nicht, dass das Ergebnis genug über das Match aussagt, er hat den ersten Satz fast gewonnen, war im zweiten Satz wahrscheinlich der bessere Spieler. Er hatte die meisten Chancen“, sagte Djokovic, der damit sein 30. Grand-Slam-Finale erreichte. „Ich möchte ihm applaudieren für das, was er in diesen zwei Wochen gezeigt hat. Wir werden in Zukunft noch viel von ihm sehen, definitiv. Er ist ein großartiger Spieler“, fügte der Branchenprimus hinzu.

Shapovalov kam mit Schwung aus beiden Flanken, seine schweren Schläge brachten Djokovic ins Wanken und versetzten die fast 15.000 Zuschauer in Staunen. Der linkshändige Kanadier war aber nicht in der Lage, den ersten Satz auszuspielen oder einen der fünf Breakbälle zu verwandeln. Drei weitere Breakbälle vergab Shapovalov zu Beginn des dritten Satzes, und obwohl er weiterhin stark spielte, schien Djokovic immer die passende Antwort parat zu haben.

Der Serbe brachte fast alles zurück und wie im zweiten Satz war der Druck wieder auf Shapovalov gerichtet, als er seinen Aufschlag zum 6:5 verlor. Während Shapovalov Unterstützung vom Wimbledon-Publikum erhielt, das gerne versucht einen Underdog zu pushen, blieb Djokovic ruhig und gelassen. Schlussendlich war der Jubel der Nummer eins der Welt aber groß und zeigte die Erleichterung des 34-Jährigen. Im Gegensatz dazu brach Shapovalov in Tränen aus als er Standing Ovations erhielt.

Auch wenn Shapovalov im Endeffekt in drei Sätzen 7:6, 7:5, 7:5 verlor, zeigte der junge Kanadier, was er drauf hat und, dass man auch Novak Djokovic fordern kann. Berretini wird am Sonntagnachmittag sein allerbestes Tennis an den Tag legen müssen, um mitzuhalten und wer weiß … vielleicht ergibt sich ja die eine oder andere Chance, um dem womöglich besten Tennisspieler aller Zeiten den 20. Titel vorerst zu verwehren.