Wintersport

Auftakt zum Skisprung-Weltcup im polnischen Wisla: Der Oberstdorfer DSV-Adler Karl Geiger macht Jagd auf die große Kristallkugel und Stefan Kraft

November 21, 2020

Nach einer langen Sommerpause starten die Skispringer an diesem Wochenende in Wisla auf der Adam-Malysz-Schanze in den neuen Weltcup. Karl Geiger will in einer Saison voller Heimspiele den Vorjahresweltcupsieger Stefan Kraft aus Österreich übertrumpfen.

Kampf um die Kugel

Das Warten hat ein Ende. Dieses Wochenende geht die Skisprungweltelite im polnischen Wisla wieder über den Bakken. Aus Sicht der DSV-Adler sind Karl Geiger und Markus Eisenbichler jene Athleten, die für Spitzenpositionen gut sind. Vor allem der 27-jährige Oberstdorfer Geiger ist nach einer Top-Saison 2019/20 zum Favoritenkreis im Kampf um die große Kristallkugel zu zählen. Vier seiner sechs Einzelweltcupsiege feierte Geiger diesen Frühling. Nach seinem dritten Weltcupsieg in Predazzo am 11. Januar 2020 konnte er sogar für einige Zeit das Gelbe Trikot überstreifen. Am Ende der Saison holte sich aber der Österreicher Stefan Kraft seinen zweiten Gesamtweltcupsieg nach der Saison 2016/17. Auch mit dem Japaner Ryoyu Kobayashi, der vor zwei Saison neben dem Gesamtweltcup auch die Vierschanzentournee und den Skiflugweltcup holte, wird zu rechnen sein.

Wer ist in Form?

Die Rückkehr auf die Schanze in Polen, die nach Ex-Weltcupdominator Adam Malysz benannt ist, ist für die Skispringer das Ende einer langen Leidenszeit. „Ich freue mich schon mega auf den Weltcup in Wisla. Wir haben den ganzen Sommer wettkampflos verbracht oder verbingen müssen“, sagte Geiger im Interview mit Radio AllgäuHit. Die Tatsache, dass so lange keine Wettkämpfe stattfanden, macht es schwer, die Form der Springer einzuschätzen. Darüber ist sich auch Geiger im Klaren: „Ich habe mich in den letzten Wochen ein bisschen schwerer getan, aber ich glaube, dass der Weg wieder stimmt und dass ich in die richtige Richtung marschiere. Ich bin auf jeden Fall mal gespannt, wo wir momentan stehen und was es wert ist.“

„Ich will mitnehmen, was geht“

Außer Frage steht, dass für Geiger und Co. ein besonderer Winter im Zeichen von Corona auf dem Programm steht. Schon zwischen 10. und 13. Dezember wartet mit der Skiflug-WM in Planica das erste Highlight, gefolgt von der Vierschanzen-Tournee (Auftakt am 28. Dezember in Geigers Heimatort Oberstdorf) sowie der Nordischen Ski-WM (23. Februar bis 7. März 2021), die mit Austragungsort Oberstdorf ebenfalls zum Heimspiel von Karl Geiger wird. „Die Heim-WM hat den höchsten Stellenwert“, sagt Stefan Horngacher, der österreichische Bundestrainer der deutschen Springer. „Blöd gesagt: Ich will mitnehmen, was geht“, ist Geiger topmotiviert.

 

Wie beim Fußball

Auch beim Reglement kam es einmal mehr zu Änderungen. „Zum Beispiel haben sich die Keile und auch der Anzugschnitt verändert. Das sind einfach Sachen, auf die man sich einstellen muss und ich glaube, grundsätzlich dient es zu unserer Sicherheit oder zu unserem Schutz“, weiß Geiger. Corona hat naturgemäß ebenfalls Auswirkungen auf die Saison. Bis auf den Weltcup im japanischen Sapporo wurde bislang allerdings kein Bewerb abgesagt. Um die Athleten und Betreuer wird eine Blase gebildet, die auch schon von anderen Sportarten bekannt ist. Auch werden etwa die Springer aus Japan, Amerika und Kanada den gesamten Winter in Europa verbringen, um auf Nummer sicher in Sachen möglicher Ansteckung zu gehen. Und ein striktes Hygienekonzept des deutschen Skibundes besagt, dass „auf Jubelrituale wie Handshakes oder Umarmungen“ verzichtet werden muss. Aber auch das ist bereits seit Neustart der Bundesliga im Mai ein bekanntes Bild.