Wintersport

Geiger und Eisenbichler bei Vierschanzentournee zur Halbzeit auf Schlagdistanz: Die deutschen Adler könnten heuer eine fast 20 Jahre andauernde Durststrecke beenden

Januar 2, 2021Januar 4th, 2021

Die deutschen Skispringer warten schon seit fast zwei Jahrzehnten auf einen Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee. Vor dem dritten von vier Bewerben im österreichischen Innsbruck haben mit Karl Geiger und Markus Eisenbichler zwei DSV-Adler aber noch alle Chancen. Die größte Konkurrenz kommt aus Norwegen.

Kein dritter Grand Slam in Folge

Beim letzten Mal war es historisch: Als Sven Hannawald als letzter Deutscher in der Saison 2001/2002 die Vierschanzentournee für sich entscheiden konnte, tat er das mit einem Rekord. Noch nie hatte bis dahin ein Springer geschafft, den Grand Slam zu holen, also alle vier Events des in Deutschland und Österreich stattfindenden Wettbewerbs für sich zu entscheiden. Mittlerweile haben Kamil Stoch (2018) und Ryoyu Kobayashi (2019) dasselbe Kunststück geschafft. Heuer holte der DSV-Adler Karl Geiger den Sieg beim Tourneeauftakt in seinem Heimatort Oberstdorf, konnte aber nicht zum dritten Grand-Slam-Athleten in Folge werden. Beim zweiten Bewerb in Garmisch wollte der seit Wochen in guter Form agierende zweifache Saisonsieger zu viel – und landete nach Durchgang eins nur auf Platz 14. Mit einer furiosen Aufholjagd katapultierte er sich nach dem zweiten Durchgang immerhin noch auf dem 5. Gesamtplatz. Den Sieg holte sich Dawid Kubacki aus Polen.

Norwegischer Saisondominator in Führung

Neuer Tourneegesamtführender vor dem dritten Bewerb im österreichischen Innsbruck ist Halvor Egner Granerud. Der Norweger, der auch im Gesamtweltcup klar in Führung liegt, siegte diese Saison bereits fünfmal. Und musste sich diesen Weltcup bis vor Oberstdorf überhaupt nur DSV-Adlern geschlagen geben –Karl Geiger (Planica, Oberstdorf) und Markus Eisenbichler (Wisla, Ruka). Die beiden deutschen Überflieger haben auch in der Tourneegesamtwertung noch alle Chancen. Nur vier Punkte fehlen Geiger vor dem dritten Bewerb in Innsbruck am Bergisel auf den Führenden Granerud, Eisenbichler hat mit 23.5 Punkten auch noch alle Chancen – eine Leistungsexplosion wie am Anfang der Saison vorausgesetzt.

Interview sorgt für Lacher: Gute Stimmung im DSV-Team

Dass die Stimmung im Lager der DSV-Adler stimmt, zeigten sie nach dem Springen in Garmisch. Im ARD-Interview übernahmen die beiden kurzerhand das Mikro – und interviewten sich selbst, was für einige Lacher sorgte. „Ja, also Karl, wie haben Sie heute den Wettkampf empfunden? Der zweite Sprung war ja, das habe ich von oben gesehen, ausgezeichnet, das war ja ein Sahnestück. Da haben Sie nochmal richtig alles rausgeholt, oder was denken Sie?“, fragte Eisenbichler seinen Teamkollegen Geiger. „Es war ein guter Wettkampf“, antwortete der. „Beim ersten Sprung war ich ein bisschen zu spät dran, da war ich nicht ganz zufrieden. Unterm Strich bin ich jetzt aber sehr zufrieden. Ich hätte nicht gedacht, dass es noch so weit nach vorne geht.“

Nach Innsbruck folgt die Entscheidung in Bischofshofen

Schon am Samstag steht die Qualifikation für den Weltcup in Innsbruck auf dem Programm, nach dem Wettkampf am Sonntag, fällt die Entscheidung um den Gesamtsieg am 6. Jänner in Bischofshofen. Sollten Geiger oder Eisenbichler dort tatsächlich den Tourneesieg schaffen, wäre es ebenso historisch wie Sven Hannawalds Grand-Slam-Sieg 2002, aber aus einem anderen Grund: Noch nie mussten die deutschen Adler (DDR und BRD zusammengenommen) so lange – nämlich exakt 19 Jahre – auf einen Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee warten. Die längste Durststrecke geht zurück auf die 1960er-Jahre: acht Jahre lagen damals zwischen Helmut Recknagels Gesamtsieg 1960/61 und Horst Quecks Triumphsieg 1969/70.